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Full text of "Die Beziehungen zwischen den Chansons de geste Hervis de Mes und Garin le Loherain und ihre nachträgliche Verknüpfung durch den Verfasser der Redaction NT der Geste des Loherains"

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Die Beziehungen 


zwischen den Chansons de geste 


Hervis de Mes und Garin le Loherain 


und ihre nachträgliche Verknüpfung durch den Verfasser 
der Redaction NT der Geste des Loherains. 


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INAUGURAL-DISSERTATION 
- Elencung: dör Doctorwürde 


bei 
hochlöblicher philosophischer Facultät zu Marburg 


eingereicht 
von 


August Rhode 


aus Corbach, Fürstentum Waldeck. 


Marburg. 
Universitäts-Buchdruckerei (R. Friedrich). 


1881. 


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Herrn 
Professor Dr. E. Stengel 


in dankbarer Verehrung. 


Die Geste des Loherains, ein grosser Gedicht-Cyclus von 
über 50,000 Versen, setzt sich mindestens aus vier, in ver- 
schiedenen Zeitabschnitten verfassten Gedichten zusammen, die 
nach ihrem jedesmaligen Haupthelden benannt sind. Danach 
zerfällt dieselbein: 1) Chanson de Hervis de Mes. 2) Chanson 
de Garin le Loherain. 3) Chanson de Girbert de Mes. 
4) Chanson d’Anseis de Mes. Die gesamte Geste, welche uns 
in circa 36, teils vollständigen, teils unvollständigen Hand- 
schriften und Überarbeitungen überliefert ist, liegt bisher noch 
nicht vollständig gedruckt vor. Schon Du Gange hat aber in 
seinem ‚Glossarium mediae”et infimae lat.‘ Stellen der Hand- 
schrift © mitgeteilt. Längere Auszüge gab später Dom Calmet 
aus dem Vorgedicht auf Hervis de Mes nach Hs. E. Den ersten 
Teil des eigentlichen Gedichtes voröffentlichte zum ersten Male 
P. Paris und zwar im wesentlichen, wenigstens für den Anfang 
nach der Hs. F (Li Romans de Garin le Loherain. 2 Bde. 
Paris 1833—35)*. Die sich daran zunächst anschliessenden 
Teile gaben danach Dumeril (La mort de Garin le Loherain) 
unter Zugrundlegung von D und Stengel (Anfang von Girbert 
de Mes, romanische Studien von Böhmer, Heft IV) nach E 
heraus. Ausserdem liegt eine ausführliche Analyse des Hervis 
von Hub (Hervis de Mes, Inhaltsangabe und Classification der 


*) Von einem Brüchstück ‚Begons Tod‘ hat N. Delius in Bierlingers 
Alemannia Bd.I. eine wohlgelungene deutsche Uebersetzung in fünffüssigen 
Jamben veröffentlicht. 


1 


6 


Handschriften, Marburg 1879) und eine solche des Garin und 
Girbert nach @ vor, welche Mone in seinen Untersuchungen 
zur Geschichte der deutschen Heldensage herausgab, sowie eine 
neufranzösische Bearbeitung des Garin le Loherain von P. Paris 


unter dem Titel: ‚Garin le Loherain, Chanson de geste com- 


posee au XI. siecle par Jean de Flagy, mise en nouveau 
langage‘. Dazu kommen noch Publikationen einer Anzahl 
Fragmente und Proben aus neu aufgefundenen Hss., von denen 


ich nur die letzten, von Vietor (Die Handschriften der Geste des . 


Loherains, Halle 1876) noch nicht erwähnten hier anführe. So die 


Sammlung holländischer Fragmente, welche Matthes, zur Er- 


gänzung der ältern von Jonckbloet veröffentlichten, veranstaltete 
(vgl. Stengel’s Anzeige, Zeitschrift für romanische Philologie 
I, 137 ff)) und ein weiteres holländisches Fragment, welches 
Fischer veröffentlichte (vgl. ebendaselbst II, 148), ferner ein 
französisches Fragment in Alexandrinern von P. Meyer in der 
Romania VI, 481 herausgegeben (vgl. Zeitschrift II, 347 ff.) 
und endlich die in Godefroy’s Dictionnaire de !a langue francaise 


(Heft I) ausgehobenen Stellen einer bisher unbekannten vati- 


kanischen Hs. Urb. 375, die aber nach Herrn Prof. Stengel’s 
Angabe nur Anseis de Mes, also den letzten Teil unserer 
Geste, über welchen Herr Cand. Harff in Marburg eine 
Untersuchung vorbereitet, enthält*). | 

An diese Veröffentlichungen schlossen sich die Uhnter- 
suchungen von Prost (Etudes sur I’ histoire de Metz, Metz et 
Paris 1865), Stengel(s.o.), Bonnardot (Essai de classement 
des manuscrits des Loherains. Romania II, 195—262), Vietor 
(s. 0.), Fleck (Der betonte Vokalismus einiger altostfranzösischer 
Sprachdenkmäler und die Assonanzen der Chanson desLoherains, 
Marburg 1877) und Hub (s. o.) an. Gautier (Les Epopees 
francaises, 2. Ausg. I, 245 ff.) kommt mehrfach auf die Loth- 


| *) Ein weiteres Bruchstück von 3 Blättern, welche dem Anfang des 
Garin le Loh. und dem Schluss des Girbert angehören , wird demnächst 
von Prof. Bartsch in der Zeitschrift f. rom. Phil. veröffentlicht werden. 


7 ) 
ringer zu sprechen, nimmt aber dabei von Vietors Arbeit 
durchaus keine Notiz und lehnt sich nur an die durch Vietor 
wesentlich berichtigten Untersuchungen Prosts und Bon- 
 nardots an. Nachstehende Untersuchung bezweckt, die Art 
und Weise, wie die Chanson de Hervis de Mes mit der Chanson 
de Garin le Loherain verknüpft ist, darzuthun. 

Das dazu erforderliche Material wurde mir, abgesehen von 
des Handschrift N des Garin und Girbert, die ich während 
meines Aufenthalts in Paris von Herbst 1877—78 selbst copiert 
habe, von Herrn Prof. Stengel gütigst zur Verfügung gestellt. 
Hierfür, sowie für die mannigfachen Winke und Ratschläge, 
die er mir bei Ausarbeitung meiner Untersuchung jederzeit 
bereitwilligst hat zu Teil werden lassen, spreche ich ihm hier- 
mit meinen herzlichsten Dank aus. Die Mitbenutzung der 
Handschrift E wurde mir noch in letzter Stunde durch die 
Freundlichkeit des Herrn Dr. A. Rambeau ermöglicht, der 
während eines Aufenthalts in Paris den Eingang von Herrn 
Prof. Stengel’s Copie von M mit E kollationierte, wofür ich 
ihm ebenfalls zu Danke verpflichtet bin. 


Während die grosse Mehrzahl der Handschriften über Hervis, 
den Vater der Lothringer Garin und Begon nur kurz im Ein- 
gang der Chanson von Garin le Loherain berichten, schicken 
E N T und v*) noch eine ausführliche Erzählung über seine 
Jugendgeschichte, die eigentliche Chanson de Hervis, voraus. 
E v trennen dieselbe aber deutlich von Garin leLoherain, während 

N T beide Gedichte gänzlich verschmelzen. 


*) Da mir aus v zur Zeit nur wenige Auszüge vorliegen, kann ich 
es im folgenden nur wenig berücksichtigen,. doch wird das der Unter- 
suchung nicht wesentlich schaden, da v eine späte Prosabearbeitung ist 
und sich.eng an Z anlehnt. 


ı * 


8 


Wir untersuchen zuerst das Verhältnis der eigentlichen 


Chanson de Hervis, nach Hub’s Analyse zum Eingang des 
Garin, wie ihn die meisten und besten Handschriften bieten, 
speziell ABOEFMOQSabv. Derselbe wird, nach dem 
von Vietor auigestellten Handschriften-Stammbaum zu schliessen, 
auch den der andern, mir unzugänglichen Handschriften, welche 
diesen Teil der Chanson bieten (d.h. @J PRY) entsprechen *). 

Die Vergleichung dieser Stücke zeigt, dass die Zahl der 
gemeinsamen Züge eine verschwindend kleine ist. Schon der 
Gesamteindruck des Hervis mit seinen vielfachen Schilderungen 
von Messen, Handelsgeschäften**), Räubereien und Turnieren 
ist ein ganz anderer, als der des Garin, welcher uns eine Reihe 
von gewaltigen heroischen Kämpfen Karl Martels und seines 
hervorragendsten Vasallen Hervis gegen die Ileiden schildert. 


Noch greller aber tritt die Verschiedenheit bei Vergleichung 


von Einzelheiten hervor. Gemeinsam sind eigentlich nur die 


sechs Personen: Thierry, Hervis, Aelis, Garin, Begon und Anseis. | 
Doch sind die Situationen, in welchen sie beide Gedichte auf 


treten lassen, so total verschieden, dass man nur nötig hätte, 
andere Namen zu setzen, um fast jeden Berührungspunkt des 


Hervis mit dem Garin verschwinden zu machen. So ist Thierry 


nach Chanson de Hervis Profos von Mes und bürgerlicher 
Abkunft. In Anbetracht seiner Reichtümer macht ihn Herzog 


*) Unter dem Eingange ist der Teil zu begreifen, welchen Paris in 
seiner Ausgabe ‚la premiere chanson‘ nennt. Derselbe reicht bis zu 
Hervis Tode und dessen unmittelbaren Folgen. Der übrige Teil der 
Chanson de Garin hat für vorstehende Untersuchung keine Bedeutung, wes- 
halb der Kürze halber, wenn von dem Eingange des Gedichts die Rede 
ist, nur Chanson de Garin oder nur Garin gesagt wird. 

*) In ähnlicher Weise wie Hervis wächst Vivien, der Held der 
Enfances Vivien (vgl. Gautiers Analyse, Ep. fr. III‘) im Hause 
eines Kaufmanns auf und bekundet schon in früher Jugend Hang zu 
ritterlichem Treiben. Reichlich mit Geld versehen auf den Markt ge- 


schickt, um Handelsgeschäfte abzuschliessen, verschleudert auch er das- 


selbe durch unverhältnismässig hohen Ankauf von Gegenständen, die 
zum ritterlichen Sport gehören. j 


2 _ 


9 


Pieres von Mes zum Gemahl seiner einzigen Tochter, die ihm 
den Hervis schenkt. Nach Chanson de Garin ist Thierry König 
von Moriane und tritt erst nach Hervis Tode auf. Von. vier 
heidnischen Königen angegriffen, bittet er Pipin um Hülfe und 
erhält dieselbe auf Fürsprache Garins. Zum Dank dafür 
verlobt er diesem auf seinem Sterbebette seine einzige Tochter 
Blanchefleur und übergiebt ihm seine gesamten Besitzungen. 
Was sodann die Hauptfigur, welche der Chanson de Hervis 
ihren Namen gegeben hat, anlangt, so weiss uns Chanson de Garin 
von Hervis. Herkunft-wenig zu berichten. Wir sehen ihn bei 
seinem ersten Auftreten bereits auf dem Concil zu Lion als 
mächtigen Vasallen an der Seite Karl Märtels, dem Roland 
Karls des Grossen vergleichbar, wo es nur seinem energischen 
Eingreifen zu danken ist, dass Karl die von den Geistlichen 
zur Bekämpfung der Heiden erforderliche Unterstützung erhält. 
Seine Eltern werden gar nicht erwähnt, ebensowenig wird über 
seine Jugendgeschichte etwas berichtet, noch werden die 
Namen seiner Ritter und Vasallen namhaft gemacht. Wenn 
von ihm die Rede ist, heisst er in der Regel ‚li dux Hervis‘, 
zuweilen ‚le loherenc Hervis‘ *). Einmal S. 25 heisst es: ‚Hervis 
chevauche, li gentis et li ber ABCEFM. Selten dagegen 
sind die Stellen, wo ihn die Überlieferung ‚vilain‘ nennt, d. h. 
ihm bürgerliche Herkunft zuschreibt. So lesen wir bei Paris 
I. p. 120 u 121: Que ici vient li Loherans Garins 
li dux de Mes, fils au villain Hervi. 

Schon Prost p. 380 weist jedoch darauf hin, dass dies nur 
Lesart von EM P sei, während ADFGN lesen: ‚Li fils au 
due Hervi‘, und ©: ‚filz le vasal Hervi‘. 

Die Lesart von EM P, von Paris merkwürdigerweise adoptiert, 
dürfte demnach auf eine Verwechslung zurückzuführen sein **). 


— 


*) Vgl. P. Paris, Li romans de Garin le Loh. ], 6, 9, 13, 14, 21 etc. 

**) Bei dieser Gelegenheit sei gleich angeführt, was die Ueber- 
lieferung in dem von mir untersuchten Teil der Chanson über die 
Persönlichkeit des ‚Vilain Hervis‘, eine neben dem Herzog auftretende 
Figur, bietet. 


10 


« 


Ausser Hervis Frau und Kindern erwähnt die Ueberlieferung 
des Garin le Loherain von seinen Verwandten nur einen 


Paris sagt in der Table de noms, de lieux, et de personnes im An- 
hang seiner neufranzösischen Bearbeitung des Gedichts: ‚Hervis (le 
vilain) frere consanguin d’Hervis de Metz (p. 12). Garde de l’enseigne 
le preux, le bätard Hervis (p. 40). Auch p. 13 wird ‚le vilain Hervis‘ 
erwähnt, doch haben die angeführten Stellen keine rechte Beweiskraft, 
denn | 
1) Die Stelle auf p. 12. basiert allerdings auf 
A Bl. 4c: A .I. dansel fist sensaigne porter 
Heruiz ot non sert (si ert) preous bacheler 
Vilain lapellent que de bast estoit ne 
Mais tant preouz nus ni sot que blasmer 
Li dus Herviz le pot meruelle amer 
De son linaie estoit estraiz et ne. 
BCEFMO und die Ausgabe haben aber nichts Entsprechendes. 
2) die p. 13 entsprechende Stelle lautet nach Paris, Ausg. I. p. 32: 
Si la bailla Guillaume Jocelin. 
Nach ABCEFM: Si le bailla Guilliaume et Joscelin (Goucelin). 
Auch 5b hat, nach Angabe von Herrn Dr. Fleck, Guillaume Gosselin. 
3) Die p. 40 entsprechende Stelle lautet nach dem Druck I. p. 109: 
Si les commandent Doon le Poitevin. 
Nach AC: Si les commandent et Doon et Herviz. 
B: Si les bailla et Droon et Henri. 
EM: Si les commandent Droon le poitevin. 
Sonst wird ein ‚vilain Hervis‘ noch sporadisch erwähnt: 


4) Paris, Garin le Loherain 1. p. 41, v. 21 u. 22 lauten überein- 
stimmend mit BCEFM: 
Dejoste lui (d. h. Herzog Hervis) fu ses filleus Hervis 
Ce fu li peres Hervi del Plesseis. 
A dagegen liest: Ce fu li peres al vassal Rigaudin. 
5) Nach den Worten Paris, Garin le Loherain I. p. 99: 
Le veneor et son frere Thieri 
folgen in AB: Et auvec aus li bons vilains Herviz 
Qui en estor a mort maint Sarrasin. 
C liest dafür: Et mon chier oncle del Mont d’Aucai Tieri. 
EMO fehlen. 
6) Nach den Worten Paris, Garin le Loh. I. p. 100: 
Je, endroit moi en ociröie mil. 


11 


Bruder, nach Q$ Henri, nach 5 Auquentin genannt, der 
Bischof von Chalons ist. Auch dies spricht für Hervis hohe 
Abstammung, da bedeutende geistliche Würden damals in der 
Regel nur an hochstehende Familien verliehen wurden. Im 
Namen der Gattin des Hervis stimmt fast die gesamte Ueber- 
lieferung des Garin le Loherain überein, nur nach © 8 ist Aelis 
Tochter des Königs Henry von Terascone, nach den übrigen 
Handschriften Schwester Gaudins von Cöln. Während indes 
die Mehrzahl der Handschriften den Abt von Gordes um Aelis 
für Hervis freien lassen, thut diesin 5 Auquentin, der Bruder des 
Hervis. Der Zeitpunkt von Hervis Vermählung fällt nach dem 
Kriege mit den heidnischen Wandres, auf den Rückmarsch 
von Paris, wo er die Krönung des jungen Pipin geleitet hat, 
nach Mes*). Hier angekommen, verlebt er eine Reihe von fried- 


liest A 15b: Li vilains loit sen a iete .I. ris 
Puis li a dit deus te puist maleir. 
Für die erste Zeile fehlen BCEM, dagegen lautet die zweite nach 
B: Et dist Heruis dex, vos puist beneir 
C: Ce dit Heruiz deus de puist sostenir. 


7) Paris, Garin le Loherain I. p. 101 bietet übereinstinnmend mit: 
ABCEMDO: Se nel creez demandez le Hervi 
und mit BCEMO: Le veneor et mon oncle Thien. 
A liest für den zweiten Vers: Le bon vilain et Doon et Tierri, 
worauf folgt: Dist li vilains ne tesmaier Garin, 
ebenso CO; BEMO fehlen. 


8) Mit Paris, Garin le Loherain 1. p.106 lesen BCEMO: 
Hervi commande lensangne Saint-Denis 
‚A: Je vos commant lensaigne Saint Denis, 
wobei mit vos ‚li borgoins Aubris‘ gemeint ist. 


*, Philippe de Vign. (v Blatt 67a) ändert hier aus Rücksicht auf 
die abweichende Darstellung im Hervis de Mes die Erzählung. Nach 
Pipins Krönung besucht bei ihm Heryvis auf der Rückreise nach Metz in 
Chaillon den Bischof Hanry, seinen Onkel, schläft dann die nächste 
Nacht in Verdun bei dem Bischof ‚lequel estoit bien son amy‘, logiert 
danach in Gousse bei dem ‚abbe qui estoit son parrans. Et heurent 
plussieurs deuise ensamble que je laisse pour abregier et apres plussieurs 
. langaige cest le duc partis de Gouse bien acompaigniez et cen est venus 


a 19 


lichen Jahren, lediglich mit dem Wohl seines Landes und seiner 
zahlreichen, aus 2 Söhnen und 7 Töchtern bestehenden Familie 

beschäftigt. Am Schluss dieses Zeitraumes greifen ihn heidnische _ 
Stämme, Hongres genannt, mit grosser Uebermacht in Mes 
an, er sieht sich bald in grosse Bedrängnis versetzt und geht 

Hülfe suchend an den Hof König Pipins*), der ihm die- 
selbe, durch falsche Ratgeber irre geleitet, trotz seiner frühern 

‚Verdienste schnöde verweigert und nun bleibt ihm nichts 

anderes übrig, als sein Heil bei König Anseis von Cologne zu 

versuchen. Derselbe willigt auch ein, ihn zu unterstützen, 

jedoch erst nachdem der Herzog sich bereit erklärt hat, als 
Gegenleistung für die zu gewährende Hülfe Mes von ihm als 

Lehen zu nehmen. In dem darauf folgenden Kampfe fällt 

Hervis von Sarazenenhand und Anseis beeilt sich, Mes für sich 

in Besitz zu nehmen. 

Stellen wir dieser kurzen Skizze von Hervis Lebenslauf 
nach Garin le Loherain die Mitteilungen gegenüber, die die 
Chanson de Hervis über ihn macht, so begegnen wir überall 
den schrofisten Widersprüchen. Die ausführliche Jugend- 
geschichte, die wir hier antreffen, fehlt in Chanson de Garin 
gänzlich. Ausdrücklich finden wir betont, dass Hervis väter- 
licherseits bürgerlicher Abkunft gewesen sei. Sträubt sich doch 
sein Vater Thieris anfangs gegen die hohe Ehre, Gemahl der 
einzigen Tochter des Herzogs Pieres, Ayelis genannt, zu 


en sa noble cite de Mets auquel lieu fut haultement ressus de touttes la 

seigneurie et des bouriois dicelle et lui fut faictes vng biaulx recueille 

et fut demenes grant joie par la cite pour la reuenue du noble duc 

mais par sus tous ceulx et celles qui demenoie grant feste et joie ce fut 

Beaultris la jantil dame et Guerinet et Begonnet ces deux biaulx filz‘ 
Kurz darauf werden auch Hervis 7 Töchter und deren Nachkommen 

aufgezählt. 


*, Nach Q S ist der Hergang insofern anders, als Hervis nicht in 
Person an den Hof geht, sondern durch eine Botschaft zweimal um Hülfe. 
bitten lässt und ohne Pipins Einwilligung sein Land von Anseis zum 
Lehen nimmt. | | 


13 


‚werden. Erst nachdem Hervis sich mehrfach ausgezeichnet, 
wird er am Schluss des ersten Teiles der Chanson Ritter und 
bei Beginn des zweiten Teiles Herzog von Lothringen (cf. Hubs 
Analyse p. 23—28). Während hier seine Mutter den Namen 
Ayelis führt, heisst seine Frau Biautrix*). Dieselbe hat er 


*, Ganz ähnlich, bemerkt hierzu Herr Prof. Stengel, heisst in 
Chanson de Garin Blanchefleur die Frau Pipins, während sie in Berthe 
as granz piez zur Mutter der unglücklichen Berthe wird. Zwischen 
diesem letzten Gedicht in der Fassung Adenet’s und den Lothringern, 
namentlich der Chanson de Hervis und der Chanson d’Anseis existieren 
mancherlei Berührungspunkte. Wahrscheinlich bildete sogar Adenet’s 
Vorlage, deren Versform er wie in seinen andern Gedichten beibehalten 
haben wird — welche also 12 Silbler aufgewiesen haben muss — in 
der 12 Silblerversion der Lothringer (cf. Romania V1,481) die Fortsetzung 
des Anseis. Wenigstens bezieht sich Adenet auf die Lothringer und der 
10 Silbler-Anseis erwähnt am Schluss kurz Pipins Heirat mit Berte. Das 
von der 12 Silblerversion der Lothringer erhaltene Fragment (ft) stimmt 
auch gerade mit der Handschriftengruppe, welche Anseis aufweist (cf. 
Zeitschrift f. r. Ph. II, 347) und auch N fo. 50b (gegen T) hat hier 
zum Teil aus gleicher Quelle wie EQ Sa geschöpft. Die betreffende 
Stelle in N — Sfo. 4a lautet: b 

Premiers parla Hardrez au poil flori 
Sire dist il entendez envers mi 

3 Ici menvoie li riches rois Pepin 
Qui a grant tort a son fie envai 
Fetes li droit si len-lessiez joir 

6 Jen parlerai sire dist Anseys 
Vous ferez bien sire Hardrez a dit 
Car sachiez bien cil pooit estre ainsi 

9 Maus en poroit mult tres granz auenir 
Anseys fit sa gent a li venir 
Concilliez moi signor baron dist il 

12 Bien sai ie taing a tort le fiez Pepin 
Et nel porai contre lui detenir 
Que loez vous franc chevalier gentil 

15 Rendez li sire pour amor dieu font il 
Si iert an pais la terre et li pais - 
A ces paroles ont fet Garin venir 

18 Sı li rendi et li quita iqui 
Quant orent fet si se sont departi. 


14 


durch Kauf aus Räuherhänden befreit und sich mit ihr ohne 
Wissen und Willen seiner Eltern in jugendlichem Alter ver- 
mählt. Seine Heirat stellt sich also als unbesonnener Jugend- 


streich dar, und nicht wie in Chanson de Garin als wohlüber- 
legter Schritt eines gereiften Mannes. Sodann kennt Chanson 
de Hervis nur eine Tochter, die Hervis im dritten Jahre seiner 
Ehe geboren wird (cf. Hub p.17)*), während Chanson de Garin 
deren sieben nennt. Als natürliche Schwester von Hervis wird 
die Frau Baudris namhaft gemacht (Hub p. 16), während ein 
Bruder nicht erwähnt wird. Auch die Gegenüberstellung des 


mutmasslichen Alters unseres Helden in beiden Gedichten er- 
giebt grosse Verschiedenheit. Berücksichtigen wir die mannich- 


fachen Abenteuer und Kriege, die Hervis nach seiner Vermählung 
mit Biautrix zu bestehen hat und rechnen dazu die sich daran 
anschliessende 15jährige friedliche Regierungsperiode, so werden 
wir annehmen dürfen, dass er am Ende der Chanson de Hervis 
das 50. Lebensjahr erreicht habe. Dieser Hervis aber kann 


. unmöglich identisch mit dem jugendlich ungestümen Paladin. _ 
Karl Martels sein, der in einer langen Reihe von Kämpefn die 


Heiden niederwirft, König Karl bis zum Tode treu dient, so- 
dann dessen Sohn krönen lässt und nun in Mes eine lange 


Reihe von Jahren in Frieden und in glücklicher Ehe verlebt, 


bis ihn am Schluss derselben das abermalige Eindringen der 
Heiden wieder aufs Schlachtfeld ruft. Gänzlich verschieden ist 
schliesslich die Stellung, welche Hervis zum Könige Anseis von 
Cologne einnimmt. In der Chanson de Hervis stehen sich die 
beiden Fürsten feindlich gegenüber, da Anseis als Gemahl einer 
Nichte Pieres, die ihm von. diesem selbst zur Ehe gegeben ist, 
Hervis die Erbschaft des Herzogs von Brabant, eines Bruders 
seines Grossvaters, streitig macht. Erst nach erbittertem 
Kampfe wird Anseis unterworfen und geht ein Bündniss mit 


*) Nach der Prosaerzählung des Hugues de Toul hatte Hervis 
2 Töchter, deren eine Walter, Grafen von Hainaut, die andere dessen 


Bruder Hugues, Grafen von Cambrai heiratete. Cf. Prost p. 394. 


| us Gr 


B 


18 


seinem Gegner ein. Während wir also oben Anseis als Sieger 


' sahen, ist er hier der unterliegende Teil. 


Indireet ergiebt sich auch aüs der Betrachtung des bebens: 
ganges von Garin und Begon, der Söhne des Hervis, dass ein 
Zusammenhang zwischen Garin le Loherain und Hervis ursprüglich 
nicht bestanden haben kann. Sehen wir doch am Schluss der 
Einleitung des Garin diese beiden, noch in sehr jugendlichem Alter 
stehend, unter Obhut ihres Erziehers Berengierss zu ihrem 
Oheim, dem Bischof von Chalons flüchten. Im Hervis aber, 
dessen Ereignisse chronologisch vor den Garin gehören, treten 
sie bereits tapfer kämpfend auf. Sie müssten somit Helden- 


_ thaten vollführt haben, noch ehe sie der Chanson de Garin 


zufolge das Licht der Welt erblickt haben können. Nach 
7! jährigem Aufenthalt im Hause ihres Oheims gelangen sie 
dann Chanson de Garin zufolge an den Hof König Pipins, wissen 
sich dessen Zuneigung zu erwerben und werden von ihm durch 
mancherlei Ehrenstellen ausgezeichnet und mit Gütern belehnt. 
“Begon wird Graf von Gascogne, Garin Graf von Moriane, und 
nun erst schicken sie sich an, Anseis zur Herausgabe ihres ge- 
raubten Erbes zu nötigen. Da die Bürger von Mes in Garin 
einstimmig ihren rechtmässigen Herrn erkennen, kehrt Anseis 
nach Cöln zurück und die Besitzergreifung der Stadt geht ohne 
Schwertstreich vor sich. Ganz im Dunkeln lässt uns seltsamer- 
weise die Chanson über das Schicksal der später als Garin und 
Begon geborenen Töchter des Hervis, die sich doch in noch 


_ weit hülfloserem Zustande befunden haben müssen. 


Zu den wenigen Punkten, die auf einen Zusammenhang 
beider Gedichte deuten, gehört z. B. eine von Hub p. 17 er- 
wähnte Stelle, wo der Dichter, spätern Ereignissen voraus- 
greifend, erzählt, Garin sei Vater von Gibert lou palesin ge- 
worden, Biautrix habe ihrem Gemahl im nächsten Jahre den 
Begues de Belin und im dritten eine Tochter geboren, die Dos 
li veneires zur Gemahlin nahm, welcher Ehe li valles Malvoisins 
entspross, vgl. Paris, Garin leLoherainl. 5.291 2.2. Ebenso wird 


— 


16 


Fromonts und seines Sohnes Fromondin, sowie ihrer Kriege 
mit Garin und Begon an verschiedenen Stellen gedacht. 
Weitere Berührungspunkte fehlen aber gänzlich und Prost 
hat daher Unrecht, wenn er im 6. Capitel seiner Histoire 
de Mes (s. 0. p. 2) behauptet, Chanson de Hervis sei 
eine jüngere Umarbeitung und Erweiterung der in Chanson 
de Garin enthaltenen Überlieferung des Hervis, die ihrer- 
seits bruchstückweisse aus einer noch ältern Quelle auf 


uns gekommen sei*). Gautier (les Epopees franeaises 1. c.) - 
acceptiert diese verfehlte Ausführung Prosts auf TreuundGlauben 


hin**), und auch Bonnardot schliesst sich in seinem Versuch 
einer Classification der Lothringerhandschriften Prosts An- 
sicht an ***). 

Bei dieser rein äusserlichen Verknüpfung beider Gedichte 
und den vielen zwischen denselben bestehenden Widersprüchen 
begreift es sich, dass ein Überarbeiter auf den Gedanken 


verfiel, die Widersprüche zu beseitigen und die Gedichte enger 
zu verschmelzen. Ein derartiger Versuch liegt in den Hand- 


schriften N 7 vor. Ihr Verfasser beruft sich einmal sogar 
ausdrücklich auf ein Buch, aus dem er geschöpft habe. 


Il se deffent com chevalier hardis 
V. en a mort a son espiel fourbi 
Al retourner et al souvent gencir 
Si com li liures le nos tesmongne et dist. 
T Blatt 183 a 17—20. 


Handschrift N erwähnt schon im Eingang des Hervis Fromonts 


*) Die p. 347 von Prost gegebene Zählung der Verszahl der ge- 
samten Lothringergeste, sowie ihrer Unterabteilungen ist ziemlich aus 
der Luft gegriffen. Nach ihr soll z. B. der Hervis 15000 Verse umfassen, 
während er deren nur 10530 (E) resp. 13144 (N) und 12928 (T) hat 
(cf. Hub p. 9). Ganz unverständlich, wohl auch in Folge falscher 
Zählung, ist eine p. 374 gegebene Anmerkung. 

**) Beiläufig gesagt, läuft ihm an dieser Stelle ein Flüchtigkeits- 
fehler unter, indem es statt ‚deux cents‘ ‚douze cents‘ heissen muss, wie 
auch p. 251 Anm. richtig gesagt ist. 

***) Of, Romania III, 234. 


ne ne see KESSERHEREPEBHRIERFRRE, | 


17 


und der Tötung Begues’ im Walde. und erweitert damit, wie 
Hub p. 11 ganz richtig bemerkt, die Einleitung zum Hervis zu 
einer solchen zur Lothringergeste überhaupt. | 
Zur Verknüpfung beider Gedichte schieben dar aber 
NT am Schluss des Hervis einen gemeinschaftlichen Zusatz 
von 21 Tiraden mit 1451 (7), resp. 1497 (N) Versen ein*). 
Die Abweichung dieser Handschriften von E und v beginnt 
bereits gegen Schluss der 82. Tirade, nach Hubs Zählung. Der 
letzte sich deckende Vers findet sich E fo. 88 5 9, N fo. 39 
514, T fo. 169 a 37 und lautet: 


He (Frans) rois Eustaice (Wistasse) dist il or (li rois) mentendes. 


"Der Schluss lautet dann nach E Blatt 88 D 10: 


Mon nevout faites en mon tref ramener 10 
Puis man irai ariere en mon regne 
Mais B. la bele o le vis cler. 
Mult uolentiers vorroie regarder 13- 
La pais fu faite ensi lont craente 
Et li dui rois a cheual sont montez 
'Tresque a Mes ne se sont arrestez 16 
Et le preuost ont auec eus mene 
Et Begonnet sor .I. cheual monte 
Treske a Mes ne se sont arrestez 19 
Quant B. ait son fil esgarde 
Ne fust si liee por lor de .xx. eitez 
Ancontre vient Garinez li menbrez 22 
Lou preuost vait et son freire acoler 
Et B. a gent cors honore 
Li rois ces peires la corrut acoller 25 
Et ele lui per grant humilite 
Son frere baise per mult grant awmiste 
Lors ont la pais et dit et creante 28 
Et B. fist son cors asener 
O li menait tot son riche barne 

88 c DB. monte sor .I. mul effautre 1 
De Mes issit et il et ces barnez 
Li rois dEspaigne li vint a lancontre 


*) Prost hat laut einer Notiz p. 366 Anm. nur die Handschriften N T 
benutzt, kennt also den Hervis nach E nicht. Für ihn gehört deshalb 
der Zusatz selbstverständlich mit zum Hervis. 


88 d 


18 


De B., ait veut la biaute 

Et ces .Il. fiz qui tant font a loer 

A haute uois commencent a crier 
Dame fait il vostre grande biaute 

Et vos valor mait durement coste 

Or man irai arriere en mon regne 
Mais tant vous di en bone loialte 
Nauerai feme iamais ior espouse 
Moinnes serai car tez est mes panser 
A ces paroles ait congie demande 
Lors se deceurent si sont achamine 

Et son nevout auec lui ait mene 

Et Flores rest entreis en la citet 

Hui mais deuommes dou duc H. parler 
Qui cheuachoit et ces riches barnez 
Un mesaigier li ait dit et conte 

Li rois dEspaigne san va en son regne 
H. lantant grant ioie en ait mene 


‚Thieri apele biau amis sai venez 


Alez a Mes le roi me saluez 

Lui et son fill roi Flore le menbre 

Et B. et trestot mon barne 

Dist Thieri sire si con vos comandez 
Lou cheual broche a Mes en est alez 
Vint a palais si montait les degrez 

A haute uvis commensait a crier 

B. dame par moi vos ait mande 

Li dus H. cancontre lui uenez 

Et vostre peire salus et amiste 

Et a vos freire, roi Flore le menbre 
B. lot grant ioie ait demene 

Issi de Mes la mirable cite 

Et li dui rois et li riche barne 

A lassambler grant ioie ont demene 
Lun baise lautre per mult grant amiste 
A ioie entrerent dedans Mes la cite 

A la grant glise vont la messe escouter 
Apres seruise ou palais sont montez 
Mettent les tables sasieent a disner 
Mais de lor mes ne vos wel aconter 
Grans .IV. iors ilueques sont seiornez 
Lors se departent li prince et li chace 
An Honguerie an. est Flores alez 


10 


13 


16 


19 


22 


25 


28 


10 


13 


16 


ER TER: TORUSR 


BR Be 


19 


Departis sont li prince et li per 

Ceste chanson vos lairommes ester 
Huimais des Wandres vos vorommes ‚parler 19 
Comment destrusent sainte crestiente 

Et de proesce H. le duc men[bre] []Rasur 
Con il vangait a branc dacier letre 22 
Voir .S. Nicaise .S. Remey autretel 

Et .S. Quentin que firent decoller | 
Li fellons Wandres ou tant ait cruate 25 
Dex gart de mal seuz qui mont escoute 

Et qui lescrist dex le puisse sauer. 


In knapper und doch klarer Darstellung schliesst somit die 
Handschrift E das Gedicht durch Schilderung der sich jetzt 
rasch aufeinander drängenden Ereignisse, des Abmarsches des 
Königs von Spanien, der Botschaft an Hervis, dessen Rückkehr 
nach Mes und die darauf folgenden Festlichkeiten, sowie des 

. Abzuges der verbündeten Fürsten in ihre Länder und erzielt 
damit im ganzen einen gefälligen Abschluss *). 


*) In v lautet der Schluss des Hervis, soweit derselbe mir Verlent, 
folgendermassen : 
(Bl. 594) sont issus de la scite et audeuantdu duc Heray ı en sont alleis (vgl. 
oben E 88d 7:) Et de cy loing quilz se sont veus et cognus si corrurent 
3 ]es bras tendus et ouuerts et se viendrent embrasser et tendrement 
baisier et de la grant joie qnilz eurent leur en sont venues les larmes 
aux yeulx. Ceste joie fut cy grande a lasemblee quilz nest a dire Et 
6 apres plussieurs parolles quilz eurent enemble que pour abregier je 
laisse (9:) sont en la cite venus (10:) et en la grande eglise alleis La ou 
la messe fut dietes sollennellement eten grant triumphe (11:) puis apres 
9 le seruice diuin fait et acomplis au pallais sen sont’ venus (12:) la ou le 
disner fut prestz et aprelliex comme a Roy appartenoit (13:) de leurs 
mes vins et viandes ne vous veulx conte tenir maix de la joie qui estoit 
12 leans seroit long a raconter des Instrumens cumballes et tambors 
semphaine trompettes et violettes tous le pallais en estoit plain et tout 
en rotendissoit. (14:) Quatre jours durant [refist] la feste. Apres lesquelles 
15 le roy Eustaiche ait congie demandeis et en Thier est retournes. (16:) Et 
le Roy Flour en Hongrie. Au despartir out Beautris et ses enffans 
tendrement baisiez et acolleis E apres plusieures parolles les ait le duc 
18 Heruy conuoies et de luy ont congie prins Puis en Mets est retorneis la 


20 


Der aus nur 16 Versen bestehende Schluss der 89. Tirade 
nach N T lautet: 


Puisquensi est, que Je nen puis faire el (que faire nen puis el) 
Pour uostre fille sui iou ensi penes 

Si sunt mi homme mort et desbarete 

Pour sa biaute ou ai mon cuer donne 

Me sui .xx. ans tenus (tenus .xx. ans) de marier 

Et si me fis baptizier et leuer 


ou Il fut par plusieurs jours menant grant feste et joie auec sa femme 
et ses enffans jusques a vng jour comme cy apres vous serait dit. 


21 Icy denent est finee la vie et Istoire du duc Pier de Louraine et de 


Aelis sa fille paircillement de la belle Beautris fille a Eustaiche le roy 
de Thir et suer a roy Fleur de Honguerie Et du noble duc Heruey de 

24 Mets son bon mary laquelle Istoire je Phelippe de Vignuelle le marchamps 
demeurant au dit Mets derrier Saint Salueur sus la rue des Bons-Anffans 
ait escript et translateis de chanson de gestes etc. 

Auf Bl. 60a beginnt dann Garin le Loh. folgendermassen: 

27 Et premierement est a nocter que du tampts Chairles Mairtiaulx roy 
de France vinrent vne nacion de gens tant en France come en plusieur 
aultres pais destruisant crestiente Et ce nommöie celle gent Wandre et 

30 Hongre lesquelles pour ycelluy meisme tamps mirent a mort st. Nicaize 
de Rains et sainct Manmins et plussieur aultre sainct et auec eulx furent 
tues et martirisesplusde VIIM cheualiers qui pour soubuenirla foy de Ihesu 

33 Cyist souffrirent mort douloureuse de quoy le dit roy Chairle Mairtiaulx 
fut forment apowris et ne le powoit plus souffrir. Or en ycelluy temps 
florissoit lorde des noir moine de seigneur Benoy Et les preudon qui 

36 pour ce tampt adoncquez ce gissoient an lit malaide En faisant leur 
testament sen regairder a frere ny a suer a femme ne enffans donnoient 
a yceulx moine de lorde seigneur Benoy four et moulin pres vigne et 

39 champts cens et rente et heritaiges de quoy leur powre anflans venant 


aprez eulx en estoient granment apowris et adomaigiez et ne powoient 


la plus part souffrir le fais dicelle guere car il nauoie cheuanlx ny arme 

42 que tout ne fut vandus et engaigies Et au contraire yceulx moine et 
abbe en estoient grais et enrichis et nen estoient les crestiens de rien 
aydies Or en ycelluy tampts yceulx Waırdre et Hongre mirent le siege 

45 deuant Paris Rains Troye et Soixon et en plussieurs aultres lieu en 
destruisant ville et chaistaulx Et firent moult de maulx par le reaulme 
et en plusieur pais que pour abregier je laisse Et pour ce vng jour le 

48 dit roy Chairle Mairtiaulx mandait tout le fait de celle piteuse guere 
a nostre seigneur pere le pape luy priant ou non de Dieu et en pitiet 
que vng jour prins ce trowait a Lion sus le Rosne. 


N 


a 


Try nn Ta rn a TEE, VW heit Luce BRETT The u AR A A ah 6A TE BUTTER BAR LAT BERREFEEFERRRETRRE U PRR u ESS SAFE SE ER TR  ne 


Et si uous jur desour ma loiaute 


21 


'Et tous mes honnes et mes riches barnes (mon riche barne) 
Gentis rois sire par toutes amistes 


Proies uo fille Beatris au uis cler 
Que mon neueu me ueille deliurer 
Et que la belle me ueille regarder 


Plus nen uoroie uiure ne jour pusser 
N 


Jamais pour moi guerre ne mal (nul ior par moi guerre) nares 
Se mestiers est que me uoeillies mander 
Aiderai wous en boine loiaute. 


Hieran reiht sich der gemeinschaftliche Zusatz, den Hub 
bei seiner Untersuchung, insbesondere auch bei der Analyse 
des Gedichts, unberücksichtigt gelassen hat. Derselbe zerfällt 
inhaltlich in zwei scharf gesonderte Teile. In dem ersten wird 
der Schluss des Gedichts noch durch eine Reihe von Tiraden 
weiter ausgesponnen, in dem zweiten dagegen wird eine neue 
Begebenheit eingeflochten, die den Kampf Karl Martels mit 
einem aufständischen Vasallen Namens Girart von Rossillon 
zum Gegenstande hat. Der Inhalt dieses Zusatzes ist in aller 
Kürze etwa folgender: 


l. Teil. (Tirade 83-- 87). 


Schluss des Krieges nrit dem Könige von Spanien. 


a) Abzug des Königs von Spanien (Tirade 383) (N fo.39b, 
T fo. 169b ff... Auf Anordnung des Königs von Spanien 
begeben sich Wistasse und Flores in Begleitung der Gefangenen 
Thieri und Begon nach Mes, um gegen Freilassung derselben 
die Herausgabe des Neffen des Königs zu erwirken (Tir. 84). 
Nach einem rührenden Empfange teilt Wistasse den Bürgern, 
seiner Tochter Biautrix, sowie Garin und Begon die mit dem 
Feinde vereinbarten Friedensbedingungen mit. Der Neffe des 
Königs soll freigegeben, und ihm selbst der einmalige Anblick 
jener Biautrix, um deren Schönheit willen er so vicle Opfer 
gebracht hat, zugestanden werden. Hierauf hat er sich, wenn 

2 


22 


ihm sein Leben lieb ist, sofort mit den Semigen in sein Land 
zurückzuziehen. Wistasse verspricht seinen Verwandten, ihnen 
von jetzt an mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln bei- 
zustehen und Hervis, den er hier zum ersten Male seinen Sohn 
nennt, für die angerichteten Zerstörungen Schadenersatz -zu 
leisten. Hierauf findet die verabredete Begegnung zwischen 
dem Könige von Spanien und Biautrix stalt, zu der letztere 
prächtige Schmucksachen angelegt hat, so dass sie in unver- 
gleichlicher Schönheit strahlt. Der König erzählt ihr, dass er 
nunmehr seit 20 Jahren um ihretwillen Krieg führe, jetzt aber, 
vollständig erschöpft, auf eine Fortführung desselben verzichte 
und entschlossen sei, gar keine Frau zu nehmen. Er bittet, 
gleichviel unter welchen Bedingungen wegen seines frühern 
Verhaltens um Verzeihung, ja, erklärt sich sogar bereit, im. 
Fall eines Krieges Biautrix Beistand zu leisten. Grossmütig 
gewährt sie die nachgesuchte Verzeihung, ebenso wie die weitere 
Gunst einer einmaligen Umarmung, obgleich nur mit Wider- 
streben, worauf der Zug in Begleitung des Königs von Spanien 
den Rückweg in den Palast antritt. Das endliche Zustande- 
kommen des Friedens ruft allgemeinen Jubel unter den Bürgern 
hervor, insbesondere, als sie aus des Königs eigenem Munde 
hören, dass er ihnen im Falle eines Krieges ein treuer Bundes- 
genosse sein werde. Sodann tritt derselbe, von Wistasse eine 
geraume Strecke Weges begleitet, den Rückweg in sein Reich 
an. Der Dichter fügt hinzu, dass er dort nach seiner Ankunft 
nur noch 8 Tage gelebt habe und am 9. begraben sei. 


b) Hervis’ Rückkehr. (N fo. 39e, Z fo. 170a ff.). Während 
dieser Vorgänge weilte Hervis mit seinem Heere fern von Mes. 
Er war nach Brabant gezogen, wo König Anseis von Cologne 
in Begleitung der Könige von Escoche, Frise und Galles und 
seiner Truppen zu ihın gestossen war. Der anfängliche Sehrecken 
der Bürger Brabants beim Anblick solcher Heeresmassen wird 
von Hervis bald beschwichtigt, indem er sie von der Belagerung 
von Mes in Kenntnis setzt und zum Entsatz der Stadt beizu- 


23 


tragen auffordert. Darauf hin versammeln sich alsbald 
60000 kampffähige Leute, die sich dem Heere anschliessen, 
. worauf. der Herzog sich eines Tages zum Aufbruch von Brabant 
nach Mes anschickt, nicht ohne zuvor seinen Soldaten unter 
Androhung der schwersten Strafen die strengste Mannszucht 
eingeschärft zu haben. Über Landres, wo gerastet wird, geht 
der Marsch ohne Aufenthalt bis nach Buillon. Hier, wo aber- 
mals Ruhelag ist, überbringt ein Bote die freudige Nachricht 
von den jüngst in Mes stattgefundenen Ereignissen. Auf Anraten 
Anseis’ beschliesst Hervis sofort einen Boten nach Mes zu 
senden um seine bevorstehende Ankunft zu melden. Anseis 
selbst aber tritt mit den 3 übrigen Königen den Rückmarsch 
in die Heimat an, nachdem vorher alle das gegenseitige 
Schutz- und Trutzbündnis auch für künftige Fälle beschworen 
haben. 


c) Hervis in Mes. (N fo. 40a, ZT fo. 170c ff... Mit der 
Botschaft nach Mes wird der bereits mehrfach erprobte Thieri, 
derselbe, der später Hervis’ Schwiegersohn wird*) betraut. 
Sobald Biautrix seine“ Meldung vernommen, lässt sie die 
Glocken läuten und die Bürgerschaft zusammenkommen. 
Nachdem man eiligst die Stadt aufs prächtigste geschmückt hat, 
zieht alles in langem Zuge dem geliebten Herzog entgegen: 
Die schon eine halbe Meile vor der Stadt erfolgende Begegnung 
ist eine überaus herzliche. Zum ersten Male umarmt und 
küsst Wistasse seinen bisher stets befehdeten Schwiegersohn. 
Alsdann erfolgt auf Hervis’ Wunsch eine Erneuerung seiner 
Vermählung mit Biautrix in Gegenwart ihrer Verwandten, die 
bei der ersten Hochzeitsfeier abwesend waren. Ein grosses 
Mahl, verbunden mit einem allgemeinen Vofksfest bildet den 
Schluss dieser Versöhnungsfeierlichkeiten. 

Nach Schluss derselben thut der alte Herzog Pieres, der 
bereits im 140. Lebensjahr steht, den Entschluss kund, sich 


*) Qui estoit leres dedens le bos rame. 
T 170, 3. Vergl. p. 26. Anı. 2. 


2* 


24 


von der Welt zurückzuziehen und den Rest seiner Tage als Mönch 
im Kloster zu verbringen. Derselbe ist bekanntlich Schwieger- 
vater des Profosen Thieris, dem er seine Tochter Ayelis, nach- 
malige Mutter des Hervis, zur Frau "gegeben hat; kurz nach 
Beendigung der Hochzeitsfeierlichkeiten und nach Belehnung 
seines Eidams mit der Herzogswürde hatte Pieres in Begleitung 
von 300 Baronen einen längst gelobten Zug zum heiligen Grabe 
unternommen, von dem er dann glücklich zurückgekommen ist, 
weshalb das Gedicht, um ihn näher zu bezeichnen, von 
ihm sagt: | 
Che est (Che fu 7) li dus qui reuient doutremer. 

Weitere Angaben über ihn und seine Rückkehr fehlen. Zum 
Erben seiner Güter setzt er Hervis ein und übergiebt ihm so- 
gleich dieselben, insbesondere auch das Herzogtum Brabant. 
Ausserdem händigt er ihm 2 Kleinodien von unschätzbarem 
Werte ein, nämlich einen wunderbaren Helm, den er auf seinem 
Zuge ins heilige Land dem Sarazenenkönig Salatre abgenommen 
hat und ein Schwert mit dem Longis Jesu Seite bei der 
Kreuzigung geöffnet haben soll*). Hierauf lässt er sich durch. 
Mönche aus der von ihm gestifteten Abtei St. Hernoul feierlichst 
ordinieren und ins Kloster führen, wo er jedoch nur noch 
5 Tage lebt und am 9. begraben wird. 


d) Wistasses Abschied. (N fo. 40f, T fo. 171d ff.) 
Inzwischen schickt Wistasse in Mes sich zum Abschied an. Er 
hat sich nunmehr überzeugt, dass Biautrix auf rechtmässige 
Weise in Hervis’ Besitz gekommen ist, indem dieser sie zu 
Lagni von Räubern kaufte und zu seiner Gemahlin erhob. 
Auch ist ihm die Treue und Ergebenheit nicht verschwiegen 
geblieben., die er ihr stets entgegengebracht hat. Zur Sühne 
für sein früheres Unrecht setzt er deshalb Hervis zum Erben 
seines ganzen Königreichs ein (Tir. 85). Der folgende Tag wird 
‘für die Abreise festgesetzt. Hervis’ Bemühungen, seine Gäste 


*) Cf. Roland. 2503 ff. und G. Paris Rom. IX, 8, 


25 


-_ 


zu längerm Bleiben zu nötigen, werden von Wistasse unter 
Hinweis auf seine Gemahlin, von der er bereits seit 2!/s2 Jahren 
entfernt sei und deren Kummer um den Verlust ihrer Tochter 
noch fortdauere, abgelehnt. Dagegen bittet Wistasse Hervis, 
ihn nach Ordnung der innern Angelegenheiten seines Landes 
an seinem Hofe zu besuchen. Alsdann will er die Regierung 
zu Gunsten seines Schwiegersohnes niederlegen und sich in die 
Klostereinsamkeit zurückziehen. Nachdem Hervis versprochen, 
diesen Wunsch Wistasses’, wenn es Gott gefalle, ‘zu erfüllen, 
lässt man sich zu einem zur Feier des Abschieds hergerichteten 
Male nieder (Tir. 86). NachSchluss desselben lassen Wistasse 
und Flores auch die übrigen Barone, z.B. Thieri den Profosen, 
Sanson von Monroial und .den Grafen von Bar kommen, um 
ihnen Lebewohl zu sagen und verlassen alsdann, von Hervis 
und seinem Gefolge 4 Meilen weit begleitet, die Stadt. | 


0) Hervis’ friedliche Regierung. (N fo.41b, 7 fo.172e ff.). 
Während der nun folgenden Jahre schweigen Waffenlärm und 
Kriegsgetümmel. Hervis widmet sich einzig den innern An- 
gelegenheiten seines zerrütteten Landes, die er aufs beste zu 
ordnen versteht, so dass bald Friede und Wohlstand in das- 
selbe zurückkehren. Marken, Städte und Schlösser werden 
geschützt, die Armut der Bürger durch reiche Spenden ge- 
mildert, kurz nichts unterbleibt, was zur Milderung des durch 
den langen Krieg hervorgerufenen llendes beitragen kann. 

In diesem 15 Jahre andauernden Zeitraum werden Hervis 
noch 7 Töchter geboren, die er an die mächtigsten Barone 
seines Landes verheiratet. Hieraus ergiebt sich unter Hinzu- 
nahme der früher erwähnten Familiennachrichten der folgende 
Stammbaum: 


26 


Pieres v. Mes. 


| | a 
Ayelis, Gemahlin des Thieris, Profosen v. Mes. 
ee u U 


Hervis, Gemahl der Biautrix. Frau Baudris natürl. Tochter, 


Tun 
Garin. Bogues. 7 Töchter, nämlich: 
Girbert. Gerin. Elernant. 
1. Biautrix, Gemahl Dos liveneres, Sohn: li varles Mauuoisins. 
9. Gemahlin von Basins quens de Guenes, Sohn: Auberis 
li Borguins. 
3. Heluis, Mutter von a) Hernaiz d’Orleans. b) Öedes, 
esvesques d’Orleans. 
4. Mutter von a) Alemans Ouris. b) Gerins d’Anjou. 


SI = 


c) Hues de Cambresis. d) Gautier d’Hainaut. e) Joffrois 
li Angeuins. 


. Fehlt in der Aufzählung. 
. Gemahlin des Vilain Heluis*), Söhne: a) Rigaus du 


Placheis. b) Morans. c) Rouselins. 


. Gemahlin des Vilain Thieris**), Söhne: a) Flores. 


b) Anseis ***). 


*) Sohn des Profosen Thieris, mithin Oheim seiner Frau. 


**) Cijs que Heruis trouua el bos fuellis 


Qui estoit leres et gens auoit mourdris 
Mais tant fu puis cheualiers de grant pris. 


**) Der Stammbaum des Hervis, wie ihn die Überlieferung des 
Garin bietet, ist im allgemeinen folgender: | 


ouPove 


Hervis. Ayelis. 
ET 
“ Garin. ° Begon. 7 Töchter, nämlich: 


. Helois, Söhne: a) Hernois. b) Huedes, €v&que d’Orleans,. 

. Gemahlin Basins de Geneve, Sohn: Auberis li Borgoins. 

. Mutter von Alemans Ouri. 

. Mutter von Girars de Liege. 

. Mutter von a) Huedes de Cambresis. b) Gautier de Hainaut. 
Mutter von Jofrois li Angeuins, quens J’Anjou. 

. Mutter von a) Hues delMans. b) Garniers de Dreues (Braines EM.) 


27 


Der erste Teil schliesst mit den Worten: 


Signour baron pour dieu qui ne menti 
Dedens cel terme que je vous ai chi dit 

Fu en grant pais li Loherains Heruis 

Dusqua un jour (terme) que vous mores jehir. 


Hierzu stimmt v BI. 67b, wo der Stammbaum lautet: Apres eust 
le noble due Heruy de celle noble duchesse VII fille lesquelle furent 
toutte mariee a grant prince et sergneur de diuerce contree et pais et 
desquelles sortirent plusieur vaillant homme comme cy aprez serait dit. 
La premiere olt a non Heluis laquelle olt en mariaige vng vaillant 
“ prince de France nomme dOrlenois Herneis duquelle elle olt deux biaulx 
file le premier eust a nom Hairnais qui puis fut duc dOrleans et tut 
bomme vaillans aus airme Car ce fut celluy qui tuait Herdr le. perre le 
‘conte Fromon come cy apres cerait dit lautre eust » nom Eudes le 
quelle fut home waillant et bien lestre et fut euesque dOrlians. La 
seconde fille fut mariee en Bourgongne de la quelle sortist Aubris 
le Bourguignon qui fut home tresvaillant aus airme et eust encor vng 
filz.Gui. Et la tierce fille fut mariee en Allemaigne et dicelle sortist 
vng vaillant home nommes Orris lAllemans le quelle fut tue en une 
 bataille deuent Verdun comme cy apres oyres. La quairte fille fut 
mariee en Liege et eust vng filz nommes Gerard qui depuis fut seigneur 
de Liege. ‘La quinte fut mariee deuers Cambray et eust deux filz dont 
‘le premier eust a non Hues de Cambresis qui fut parreillement moult 
vaillant homme et fut tues deuers Cambray en trayson de Bernaird de 
Naisil aprez ce quil ce fut randus et son frere eust a non Gauthier 
lorfellin le quelle fut seigneur de Henault Et serait beaucopt parles 
de ces deux ycy aprez La VI* fille fat mariee a Anioys et eust vng filz 
nommet Joffroy ly Engeuins le quelle en son tampts fut conte d’Anio 
Et la VII® et dernier fille du duc Heruy fut mariee en France et dicelle 
saillirent deux filz le premier fut apelles Hue du Mans et fut conte du 
Maine Et laultre fut nommes Guernier seigneur de Droies. 

So ziemlich stimmt auch b, wo folgende Angaben über die Töchter 
gemacht werden: 1. Gemahlin des Hernais, dessen Bruder Eudes — 
2. Gemahlin Thierrys le Bourgoing, Sohn Aubris. Neffe Gasselin. — 
3. Mutter Olrys. — 4. Mutter von: a) Gerard de Commercy. b) Gauttier 
de Hainaut, Namur et Liege. — 5. kinderlos. (De la chinquiesme fille 
ne yssy point de lignie. — 6. Mutter Geufroi d’ Angers, — 7. Mutter 
von: &) Huon du Mans. b) Guarnier de Dreuez. 


QS unterdrücken Oedes Bischof von Orleans und geben die andern 
Enkel des Hervis in bedeutend abweichender Reihenfolge, ohne sich: 
jedoch dadurch den Abweichungen von NT zu nähern. S$ bietet: 


28 


“ 


II. Teil. (Tirade 87—103). 
Kampf Karl Martels mit Girart von RBossillon. 


Der Inhalt des zweiten noch breiter ausgesponnenen Teiles 
ist kurz folgender: 


a) Kirchenversammlung zu Lion. (Nfo.41b, Tfo.173aff.). 
König Karl Martel, in einen unglücklichen Krieg mit einem 
widerspenstigen Vasallen Namens Girart de Rossillon verwickelt, 
gerät in die grösste Bedrängnis. Daher richtet er an den Pabst 
die Bitte, die Geistlichkeit zur Beschaffung von Mitteln für die 
Fortsetzung des Krieges anzuhalten. Zu diesem Zweck wird 
eine Kirchenversammlung nach Lion an der Rosne berufen, an 
der etwa 4000 Geistliche und 20,000 Ritter Teil nehmen, welchen 
letzteren es zumeist an Ausrüstungsgegenständen gebricht. Hier 
vor versammeltem Volke schildert Karl dem Pabste mit beredten 
Worten sein Unglück und seine Mittellosigkeit. als deren 
Ursache er die Schenkungen bezeichnet, welche er einst, tot- 
krank darniederliegend, den schwarzen Mönchen vom Orden 
des heiligen Benediet gemacht habe. Hierdurch seien viele 
seiner Untergebenen in Armut geraten und ausser Stande sich 
Rüstungen und Waffen anzuschaffen. Er verlangt darum, dass 


De cele dame dont vous aues oy | Issirent puis.VIL. pucielles de pris | De 
Helui laisne issi Aubris | De 1a seconde li Alemans Auris | Et de la 
tierche Gerars ki Liege tint | Et de la quarte Hues de Cambresis | 
Gautiers ses freres de Hayn. li marcis | De la .V. Hernaus ki Orliens tint | 
De la .VI. Hues de Rains issi | Il et Garniers ychis ki Branie tint | De 
la .VIL Joffrois li Angeuins. Wegen © vgl. Mone S. 199 f£. 

Es fehlen also von Enkeln des Hervis, welche Chanson de Hervis 
(NT) kennt, in Chanson de Garin: Mauuoisin, der Sohn von Dos Ii 
veneres, Gerin von Anjou, Rigaut, Morans, Rouselins, Flores und Anseıs, - 
d. h. abgesehen von Gerin von Anjou, welcher wohl nur aus Girart de 
Liege oder aus Garnier de Droe entstellt ist, lauter ‚vilain‘ männlicher- 
seits. Der drei letzten geschieht übrigens meines Wissens nirgends im 
Garin Erwähnung. Von Enkeln des Hervis, welche Chanson de Garin 
erwähnt, fehlen dagegen in Chanson de Hervis: Girars de Liege, Hues 
del Mans, Garniers de Droe. 


29 


der Pabst Anordnungen zu seiner Hülfe treffe, widrigenfalls er 
droht, zu entfliehen: und das Land seinem Schicksal preiszu- 
geben. (Tir. 88). Der Pabst, welcher Karls Forderungen für 
gerecht erachtet, fordert die anwesenden Geistlichen auf, von 
ihrem Vermögen soviel, als zur Ausrüstung genügender Streit- 
kräfte erforderlich, zu opfern. Diesem Verlangen wird jedoch 
seitens des anwesenden Erzbischofs aufs entschiedenste wider- 
sprochen; er fürchtet, es könne zur Gewohnheit werden, bei 
allen derartigen Anlässen die Geistlichen in dieser Weise her- 
anzuziehen. (Tir. 89). Schon droht Zwiespalt unter der Ver- 
sammlung auszubrechen, als der Abt von Gluigni ‘das Wort 
ergreift. Er macht dem Erzbischof bittere Vorwürfe, dass er 
ihnen die Gelegenheit zu einer guten That abzuschneiden im 
Begriff sei, und erklärt es schliesslich für besser, wenig zu 
opfern , als durch Hartnäckigkeit alles aufs Spiel zu setzen. So 
kommt trotz der Einsprache des Erzbischofs eine Einigung zu 
Stande. Karl erhält nicht nur Rosse, Rüstungen und Gold, 
sondern auch auf 7'!/s Jahre die Zehnten und Zölle, gegen das 
_ Versprechen, dieselben nach Ablauf dieser Zeit zurückzugeben. 
So war es möglich ‚binnen kurzem 9000 kampffähige Ritter 
auszurüsten. 


b) Fortschritte Girart’s von Rossillon. (N fo.41f, Tfo.. 
173c ff). Unterdessen hat Girart den schönsten Teil Frank- 
reichs bis Bar sur Aube eingenommen und dort sein Stand- 
quartier aufgeschlagen. In Soissons, das gleichfalls erobert 
ist, hat er eine Besatzung von circa 30,000 Mann zurück- 
gelassen. Sodann kündigt er Karl durch einen Brief an, er 
werde demnächst mit seinem Heere vor Paris erscheinen und 
_ die Stadt erobern*). Bestürzt über diese Nachricht, beruft Karl 


*, Wir kennen seit kurzem auch eine lateinische Legende von Girart 
de Rossillon, welche durch P. Meyer in der Romania VII, 161 ff. ver- 
öffentlicht ist. In derselben wird p.189. erwähnt, dass Girart den König 
bis nach Paris hineingetrieben habe, worauf dieser sich durch die Er- 
scheinung eines Engels zur Abschliessung eines Friedens mit Girart 


30 


rasch einen Kriegsrat, welchem ausser seinen 12 Pers auch . 
seine Ratgeber Hardres, Vater des in der Folge 50 gefürchteten 
Fromont, Aloris d’Aspremont, dessen Bruder Thierry, Amaugis 


"und viele andere beiwohnen. (Tir. 90.) Karlteilt der Versammlung 


die Drohungen Girarts mit, unter Hinweis darauf, dass den 
ihm zu Gebote stehenden Streitkräften gegenüber selbst die 
9000 Mann des letzten Aufgebots kaum genügten. Dennoch 
erklärt er sich bereit, den Kampf aufzunehmen, wenn man 
ihm einmütig mit Rat und That Beistand leisten wolle. Unter 
diesen Verhältnissen schlägt Hardres vor, den in vielen Kriegen 
rühmlichst erprobten Hervis von Mes um Hülfe anzugehen. 
Nach umständlicher Erzählung der Geschichte seiner Herkunft, 
wobei nicht unerwähnt bleibt, dass Hervis’ Vater von gemeiner 
Abkunft*) gewesen sei, rühmt er Hervis’ Kriegsthaten, sowie 
seine segensreiche friedliche Regierung und schliesst mit der 


Versicherung, dass im Falle seines Beistandes Girart bald 


niedergeworfen und ganz Frankreich beruhigt werden würde. 
Karl, dem besonders die nicht adelige Herkunft Hervis’ an- 
stössig ist, zögert anfangs, auf Hardres’ Vorschlag einzugehen. 
‚Wohl habe ich Ursache, traurig zu sein‘, ruft er aus, ‚da ich 
um eines einzigen Mannes willen in solcher Verlegenheit bin‘. 
Erst nach abermaliger weitläufiger Auseinandersetzung der 
verwandtschaftlichen Verhältnisse des Hervis stimmt Karl zu.. 
(Tir. 91.) Darauf befiehlt er, dass zu den Bischöfen von St. Denis, 
Orliens und St. Germain, die man auf Hardres’ Vorschlag mit 
der Botschaft an Hervis beauftragen will, geschickt werde. 


c) Botschaft an Hervis. (Tir. 92) (N fo.42h, T fo.174a ff.). 
Die drei Prälaten erscheinen alsbald mit grossem Gefolge am 


verstanden habe. Etwas ähnliches ist der uns erhaltenen provenzalischen 
Chanson von G. de R. nicht bekannt. | 
*) Nes est de Mies, Heruis avoit a non 
Rices dauoir sa damis a foison 
De par sa mere Aelis a chief blont 
Mes li siens peres fu vilains ce dist on. 
T. 173, 4, 


31 


Hofe und treten vor den König, der sie in feierlicher Audienz 
empfängt. (Tir.93.) Kaum haben die Verhandlungen begonnen, 
als abermals ein Bote von Girart eintrifft, um mitzuteilen, 
sein Herr werde in aller Kürze vor Paris erscheinen und die 
Stadt erobern. Zugleich fordert er Karl in dronendem Tone 


zu einer Schlacht heraus, die im Thale von Sousloon geschlagen 


werden soll. Die Botschaft stimmt den König nachdenklich, 
weshalb er sich zu ihrer Beantwortung eine kurze Bedenkzeit 
vorbehält. Auf Ersuchen Karls, ihre Meinung zu äussern, 
ergreift nach Abtreten des Boten Miles — seither noch keinmal 
erwähnt — das Wort. In Anbetracht der Aussicht auf Hervis’ 
Unterstützung. geht sein Rat kurz dahin, die Herausforderung 


 .Girarts anzunehmen und am festgesetzten Tage auf dem Kampf- 


platze zu erscheinen. (Tir. 94.) In diesem Sinne bescheidet 
dann auch Karl den inzwischen wieder hereingeführten Boten, 
indem er ihn beauftragt, seinem Herrn mitzuteilen, dass er 
zwar die Schlacht annehme, ihm jedoch, wenn ihm sein Leben 
lieb sei, rate, statt dessen lieber nach Paris zu kommen und 
ihn fussfällig um Gnade zu bitten. Im Abgehen meint der 
Bote sein Herr werde lieber die grössten Qualen erdulden , als 
sich zu einer solchen Demütigung verstehen. Es wird nunmehr 
von Hardres auf schleunige Absendung der Botschaft nach Mes 
gedrungen. (Tir. 95). Der Bischof von Orleans istsehr erfreut, 
als er hört, dass es Hervis ist, zu dem er sich begeben soll. 
Derselbe gehört nämlich zu seiner Verwandtschaft, da Herzog 
 Pieres von Mes ein Sohn seines Oheims ist. Auch rühmt der 
Bischof bei dieser Gelegenheit Hervis’ Tapferkeit durch Erzählung 
' einer uns bekannten Episode aus des Herzogs Jugendzeit. Es 
handelt sich nämlich um die bei Hub p. 22 erzählte kühne 
Befreiung der in Räuberhände gefallenen Geistlichen, deren 
einer der Bischof selbst gewesen ist. (Tir. 96.) Nachdem Karl 
sie mit dem Zweck ihrer Sendung bekannt gemacht und rasch 
die zur Reise erforderlichen Vorkehrungen getroffen sind, er- 
halten die Gesandten Abschied von ihm und begeben sich auf 
den Weg:  (Tir. 97). Ihre durch keine weiteren Abenteuer unter- 


32 


brochene Reise führt sie auch über Verdun, 'wo sie an einem 
Samstag ankommen und anhalten, um dort den ihnen bekannten 
Erzbischof Lancelins zu besuchen. Eingehend von ihm über 
den Zweck ihrer Sendung befragt, tragen sie kein Bedenken, 
ihm die ganze Wahrheit unverholen mitzuteilen. Am andern 
Morgen, als sie sich zur Weiterreise anschicken wollen, werden 
sie von Lancelins mit Rücksicht auf den Sonntag, an dem zu 
reisen ilınen nicht gezieme, bewogen, ihren Aufenthalt um 
einen Tag zu verlängern. Den so gewonnenen Zeitraum be- 
nutzt der Erzbischof zur geheimen Absendung eines Boten nach 


Mes, welcher :Hervis von der bevorstehenden Ankunft der. 


Prälaten, sowie dem Zweck ihrer Reise in Kenntnis setzt. Bei 
den Mitteilungen desselben bricht der Herzog in ein lautes 
Gelächter aus, trifft aber doch Vorkehrungen zum würdigen 


Empfang der Gesandtschaft. Auf die inzwischen eingetroffene 


Kunde von ihrem Anzuge eilt er ihr entgegen und führt sie, 
nachdem auch für das Unterkommen des Gefolges gesorgt ist, 
in seinen Palast. Hier harrt der Bischöfe freundlicher Empfang 
und gastliche Bewirtung von Biautrix, ebenso bemüht sich 
die Bürgerschaft, ihnen ehrfurchtsvolle Huldigungen entgegen- 
zubringen. | 

Nach Besuch der Messe geleitet Hervis am folgenden 


Morgen die Gesandten in den Palast zurück, wo er sie abseits. 


führt und nach dem Zweck ihrer Sendung befragt. Nachdem 
sich ihm der Bischof von Orleans zuvor als seinen Verwandten 
und ehemaligen Schützling zu erkennen gegeben, offenbart er 
ihm Karl Martels kritische Lage und bittet vereint mit seinen 
Genossen um Hülfe. (Tir. 98.) Hervis jedoch, wenn auch längst 
entschlossen, eine so günstige Gelegenheit, sich Ehre und 
mächtige Freunde zu erwerben, nicht unbenutzt vorübergehen 


zu lassen, gefällt sich längere Zeit darin, die behäbigen Prälaten 


durch ausweichende Antworten auf die Folter zu spannen. 
(Tir. 99.) Insbesondere setzt er sie durch die Frage in Verlegen- 
heit, ‚weshalb sie nicht längst schon selbst zum Schwerte ge- 
griffen und das ihrige dazu beigetragen hätten, den Feind 


33 


niederzuwerfen und verspottet sie wegen ihres müssigen Lebens- 
wandels. Zugleich deutet er an, dass er auf Abstellung dieses 
Übelstandes dringen würde, wenn sie seine Unterthanen wären. 
Endlich aber trägt er ihnen doch auf, Karl Martel seine Bereit- 
_ willigkeit zur Hilfe, zu melden. Bei dem nun folgenden 
Mahle, fügt der Dichter ironisch hinzu, ‚hätten Bischof und 
Äbte wenig gesprochen und noch weniger genossen in Anbe- 
tracht dessen, was Hervis über sie geäussert hat. Auch auf 
dem nun. folgenden Rückwege denken sie, da einer noch feiger 
ist, als der andere, an nichts anderes, alsan die Möglichkeit, mit 
in den Kampf ziehen zu müssen und kommen schliesslich 
überein, lieber aus dem Lande zu flüchten, als in eine ‚der- | 
artige Zumutung zu willigen. 


d) Hervis’ Kriegsrüstungen. (N fo.43c, 7 176a ff). Auf 
Hervis’ Aufgebot sammelff sich rasch zahlreiche Krieger unter 
erprobten Führern, wie dem Grafen von Bar, dem Herzog 
Sanson von Monmiral (Monroial N), dem Grafen von Montbliaut 
(Montbeliart N) u.a. in Mes. Nachdem dieselben rasch ge- 
ordnet und verproviantiert worden sind, setzt Hervis den Tag 
für den Abmarsch fest. Seinem Schwiegervater, dem Profosen 
 Thieris überträgt er zuvor während seiner Abwesenheit die 
Führung der Regierungsgeschäfte und weist ihm für den Fall 
eines Krieges Gelder zum Anwerben von Söldnern an. 

In der Frühe des darauf folgenden Morgens findet der 
'Abmarsch statt. Hervis ordnet seine gesamte Streitmacht in 
4 Abteilungen, deren eine der Graf von Bar, die andere der 
Herzog Sanson von Monmiral, die dritte der Graf von Montbliaut 
und die vierte der Graf von Aspremont anführt. Sein 
gonfanon trägt Thieris, sein zukünftiger Schwiegersohn. 
(Tir. 100.) Unterwegs befragt der Graf von Bar den Herzog nach 
dem Zweck der Unternehmung, den ihm derselbe jedoch vor- 
läufig verheimlicht. Dagegen ermahnt er alle, wenn es zur 
Schlacht komme, tüchtig mit dem Schwerte dreinzuschlagen, 


34 


e) Tod Girarts von BRossillon. (Tir. 101.) N fo. 43d, 
T 176c ff.).. Inzwischen sind die Gesandten von Mes nach einer 
. möglichst beschleunigten Reise in -Paris eingetroffen und werden 
von Hardres und Aloris vor den König geführt. Kaum haben 
sie dort den günstigen Erfolg ihrer Sendung geoffenbart, als 
ein unvorhergesehenes Ereignis die Lage der Dinge mit einem 
‚Schlage total verwandelt. Dasselbe besteht in dem plötzlichen 
Dahinscheiden Girarts. Die unerwartete, vom König anfangs 
angezweifelte Kunde bekräftigt ihr Überbringer mit den Worten: 
„no wahr ich auf Gottes Schutz rechne, Girart ist tot, es ist 
reine Wahrheit‘, und fügt, um sich eine gute Belohnung zu 
sichern, hinzu: ‚Um Euch die Botschaft zu hinterbringen, habe 
ich 2 Pferde abgetrieben und getötet, denn ich wollte nieht, 
dass Ihr länger in Besorgnis wäret‘. (Tir. 102.) Bezüglich der 
Einzelheiten von Girarts Tode erfahren wir noch, dass derselbe 
auf seinem Sterbebette gebeten habe, jemanden an Karl zu 
- senden, um von ihm Verzeihung und Gnade zu erflehen, mit- 
hin im Tode sein schweres Unrecht gesühnt habe. Drei Tage 
nach seinem Ende sei er sodann in Bar sur Aube, wo er eine 
Abtei gegründet hatte, begraben. Nachdem dem Boten für 
seine Meldung 2 prächtige Rosse nebst 500 Mark Geldes auf 
Befehl des Königs behändigt worden sind, verlässt derselbe 
hocherfreut den Hof. 


f) Hervis’ Ankunft bei Hofe. (N fo. A3f, 7 fo. 177 aff.) 
Zur selbigen Zeit stellt sich ein Bote von Hervis ein, mit der 
Meldung, dass der Herzog mit seinem Heere in Lagni stehe. 
Deshalb schickt ihm Karl am andern Morgen einen Boten 
entgegen, der Hervis bereits vor den Thoren der Stadt Paris 
stehend antrifft. (Tir. 103.) Sein trefflich ausgerüstetes und wohl 
discipliniertes Heer erregt bei seinem Einzuge allgemeines Auf- 
sehen. Selbst Karl ruft bei seinem Anblicke aus: ‚Wehe mr, 
wenn solch ein Fürst gekommen wäre, mich zu bekriegen‘. 
Darauf geht er dem Herzog entgegen, umarmt ihn und führt 
ihn in den Palast, wo er sich auch die obersten Heerführer 


35 


des Hervis vorstellen isst. Nachdem der König noch einmal 
ausführlich das Ende Girarts erzählt, vereinigt ein festliches 
Mahl sämtliche Anwesende. | 

Die nun noch folgenden Schlussworte der Handschrift greifen 
eigentlich schon in die Chanson de Garin le Loherain über, 
insofern sie uns bevorstehende Ereignisse in derselben im voraus 
andeuten. Dieselben lauten folgendermassen: | 


Karles Martiaus a grant joie mene 

I cuide bien auoir tout, aonquestet 

Mes en poi deure aura son cuer iret 

Naura repos sert (ci ert) en terre boutes 

Paien et Wandes que Diex puist mal donner (vergonder) 
Roys Bucifans, Buiemons et Tangres 

Et lamustans de Corde la cite 

Et .XV. roi saracin et esoler 

Orent destruite sainte crestiente 

Toute la terre ou Jehsus fu poses 

Et le sepucre ou fu enuolepes (ses cors fu posez) 
Et ont lor Diex mult durement jures 

Que il venront en France le regne 

Ne (Si) ni lairont ne moustier ne autel 

Li rois sera fors de Paris getes 

Ne li lairont castel ne fremete 

Et sil est pris il ne puet eschaper 

Que il (il fehlt N) ne soit ocis et (ou) afoles. 


Die Absicht des ÜberarbeitersbeiEinschiebung des vorstehend 
analysierten Zusatzes ging, wie bereits oben angedeutet, darauf 
hinaus, die Widersprüche zu beseitigen, welche sich einer Ver- 
einigung der Chanson de Hervis de Mes und der Chanson de 
Garin le Loherain entgegen stellten, und zu deren Beseitigung 
Änderungen in letzterer sich nicht anbringen liessen. Hierbei 
handelte es sich hauptsächlich um zwei Punkte, denen je ein 
Teil des Zusatzes gewidmet ist, nämlich erstens um Vervoll- 
'ständigung der Nachrichten über Hervis’ Nachkommenschaft 
und zweitens um das Hereinziehen des fränkischen Königshofes 
in den Rahmen des Gedichts. Wegen des ersten Punktes hält 
der Überarbeiter am Schlusse des ersten Teiles des Zusatzes 
an, um zu erzählen, dass in diesem 18 Jahre andauernden 


36 


Zeitraume dem Hervis noch 7 Töchter geboren seien, die er in 
der oben (p. 26) angegebenen Weise verheiratet habe. Abge- 
sehen davon, dass es an sich schon auffällig, wenn auch nicht 
unmöglich sein würde, dass dem Hervis nach so langer Unter- 
brechung — Garin und Begon sind ja bereits erwachsen —, 
noch 7 Töchter der Reihe nach geboren werden, widerspricht 
diese Angabe auch sonst der Überlieferung. Denn unter Hinzu- 
rechnung der bereits früher erwähnten Tochter des Hervis 
(Hub p. 17), die ihm schon im 3. Jahre seiner Ehe geboren 
wurde, würde sich die Zahl seiner Töchter auf 8 belaufen. 
Das aber kümmert den oberflächlichen Überarbeiter wenig. 
Nachdem er gesagt hat: 


Dedens cel terme signeur (baron) que je vous di 
Ot il .VIL filles de sa fame gentil, 


rechnet er bei Aufzählung der Töchter der Biautrix, die früher 
geborene mit zu den 7 in diesem Zeitraume geborenen und 
gleicht die dadurch erwachsende Schwierigkeit durch still- 
schweigende Auslassung der 5. Tochter aus. Nach Aufzählung 
der 4 ersten fährt er nämlich fort: | 

Et la sisime ot li vilains Heruis (Heluis) 

Qui fillieus fu le bon prouuos Thieri. 

In diesen Zeilen liegt wiederum ein Widerspruch zu Garin 
le Loherain vor, denn zufolge der Überlieferung von ABCEFM 
ist der ‚Vilains Heruis‘ filluse des Herzogs Hervis. Im 
übrigen sind die Nachrichten über Hervis’ Nachkommenschaft 
im einzelnen noch mehrfach verschieden von der ursprünglichen 
_ Überlieferung, wie aus einer Vergleichung der p. 26 aufge- 
stellten beiderseitigen Stammbäume leicht ersichtlich ist. Ich 
bemerke dazu nur noch, dass sich die dort vorhandenen 
Varianten an keine der mir zugänglichen Handschriften an- 
lehnen und demnach der eigenen Erfindung des Überarbeiters 
zuzuschreiben sein dürften *). 


*) Dass übrigens der erste Theil des Zusatzes einige Züge des 
ursprünglichen Hervis bewahrt, welche die am Schluss gewaltsam ge-. 
kürzte Hs.. X unterdrückt hat, zeigt v. 


37 


| Um den zweiten Widerspruch zu beseitigen und den 
fränkischen Königshof mit in den Rahmen des Gedichts hin- 
einzuziehen, schien dem Überarbeiter die mehrfache Erwähnung 
_ Girarts von Rossillon im Eingang des Garin le Loherain geeignet. 
‘“ Dieser hatte mit Karl Martel langwierige Fehden geführt *). In 


*, Die Stellen, wo die Überlieferung der an le Loh. Girart von 
Rossillon erwähnt, sind folgende: 


1. Bereits im Eingange des Gedichtes berichten O Q (letzteres nach 
Mone, Unters. zur Gesch. d. teutschen Heldensage) S (nach einer Notiz von 
Herrn Naumann) 5 (nach einer Notiz von Herrn Dr. Fleck), dass Karl 
Martel durch den langen Krieg gegen Girart von Rossillon in die grösste 
‚Ohnmacht versetzt . worden sei. ABCEFN erwähnen ihn anfangs 
nicht, ebensowenig Paris’ Druck. Wehl aber dessen neufz. Bearbeitung 
. des Gedichts. (Dieselbe scheint, soweit es sich aus dem Eingange be- 


urteilen lässt, zum grössten Teil auf Q$ zu beruhen. Jedoch finden sich 


auch Stellen, wo sie mit der Gesamtüberlieferung gegen Q S geht, z.B. 
gelegentlich des Angriffs von Mes durch die Sarazenen, wo Hervis an den 
' Hof Pipins geht, und dort vergeblich um Hülfe fieht. Nach Q S wurde 
diese Mission durch eine Botschaft ohne Hervis ausgeführt. 


2. A fo. Sa—= BCEFGN hat 


Apres la mort Girart du Roussillon 
Vindrent en France (Vindrent ensamble £) paien et esclauon. 
Paris hat die Stelle weder in seinen Druck, noch in seine neufranzösische 
Bearbeitung aufgenommen. 
3. Die entsprechende Stelle zum Druck p. 53, 19 ‚Tant a Gerars 
qui le Rossillon tint‘ lautet: 
A: Ce fist Gerars qui tot mist a essil 
BCEFM: Ca (Sai E SiM) fet' Gerars qui uostre regne (terre E) tint 
(qui le regne maintint F') 
4. Die zum Druck p. 76, 17: ‚Envers le duc Gerart guerroia il‘: 
ABCEMO: Enuers le duc Gerart guerroia il (guerre acoilli A) 
De Rossillon qui tant fu posteis (qui grant painne soufri A) 
der zweite Vers fehlt EM 
5. Entsprechend dem Druck p. 81, 5 ‚Par Dant-Gerard qu’est de 
-Roucillon nes‘ lesen: 
AM: Ce fist (Sa fa) Gerars de Rousillon fu nez 
BC: Ca fait (Ce fet) Gerars qui (quest) de Rosellon ert (nez) 
EO: Se fa (Qua fet) Girars de Rousillon li beirs 
3 


38 


der, p. 29. Anm., erwähnten lateinischen Legende ist zwar 
nicht Karl Martel sondern Karl der Kahle Girarts Gegner. 
Indessen klingt die Erwähnung der Verfolgung Karls bis nach 
Paris hinein (p. 189), sowie die Stiftung des Klosters Verzelai 
durch Girart, Züge, die der uns erhaltenen provenzalischen 
Chanson unbekannt sind, zu sehr an unsern Zusatz p. 29 und 
p. 3% an, um nicht annehmen zu dürfen, dass dem Verfasser 
unseres Zusatzes eine auf einer älteren Fassung der provenz. 
Chanson beruhende Version des Girart vorgelegen habe, wodurch 
P. Meyers a. a. O. S. 177 ausgesprochene Vermuthung: ‚Mais 
il est possible, cela est mäme probable, que dans la redaction 
plus ancienne se soit trouve le recit que l’auteur de la Vie 
latine a resume‘ nur an Wahrscheinlichkeit gewinnt. Was 
nun die Hereinziehung der Episode ‚Girart‘ in das Gedicht 
selbst betrifft, so erweist sie sich auf den ersten Blick als eine 
gewaltsame und ungeschickte. Unwahrscheinlich klingt es an 


sich schon, dass Karl, nachdem er auf dem Concil zu Lion 


reichliche Unterstützung von seiten der Geistlichkeit, wenn auch 
widerstrebend, gefunden hat, sich durch eine blosse Drohung 
Girarts so einschüchtern lässt, dass er sich abermals nach 
. weiterer Hülfe ängstlich umsieht. Dann aber, nachdem er sich 
zu diesem, in gewisser Hinsicht demütigenden Schritte ver- 


standen, erweist sich derselbe durch Girarts Tod vollständig 


überflüssig und Hervis Zug nach Paris bleibt eigentlich unmo- 
tiviert. Gewaltsam aber verfuhr der Überarbeiter auch insofern, 


als er dem altenEingang desGarin eine Anzahl Stellen fast wörtlich 


 entlehnte, um sie in gänzlich verschiedenem Zusammenhange 


anzubringen. Der Wortlaut dieser Stellen steht unter den 


mir zu Gebote stehenden Handschriften im ganzen dem der 
Handschrift E am nächsten (d. h. also der Handschrift, in 
welcher zwar der Hervis dem Garin leLoherain voraufgeschickt 
ist, aber ohne dass darum beide Gedichte innerlich verknüpft 
‘wären, ja ohne dass der Theil der Handschrift, welcher den 
Hervis enthält, eigentlich mit dem Haupttheil enger verknüpft 
wäre, als durch äusseres Zusammenbinden. Schriftzüge und 


39 


Dialekt beider Theile sind aber identisch). Der Überarbeiter 
von NT hat aber, wie mancherlei Übereinstimmungen mit 
andern Hss. zeigen, die Hs. E selbst offenbar nicht benutzt, wohl 
wird ihm jedoch eine E sehr nahe stehende Redaction bei Abfassung 
seines Werkes vorgelegen haben. Ich teile dieselben im folgenden 
unter Gegenüberstellung des Textes von E, dem ich die 
Varianten von ABCFMOQ, anfangs auch von JS, zuletzt 
von @, beigebe, mit, da sie uns den sichersten Beweis liefern, 
dass die den Hervis und Garin verbindende Girart-Episode keinen 
Anspruch auf Selbstständigkeit und Ursprünglichkeit hat. 


Nach den Eingangsworten liest E fo. 89a, 21: 


21 Et il auoit grant paor de morir 
Ne regardoit son peire ne son fil 
Ne son parent ne son germain cousin 
24 As moines noirs que sains Beneois fit 
Donnoit sa terre et rantes et moulins 
Nen auoit terre la fille ne lı fiz 
27 Et partant fu li mondes apouris. 


Varianten: 21—=ABFJ OuilC|que sans Bernars assist F’ qui erent 
Et il sentoit qe il deuoit morir O |(furent) a cel di ist umgestellt mit 
Quant estouoit le preudome morir 0 125 Q 8 
fehlt S | 25— F Et de C Donna M 1a A 
22 regarda J le gardoit © son jettrestot son pais B Anscois donoit 
frere ne son fl ABC’ JMORQ ne |son for et son molin Q8 
son p. ne. son f. $ Nel regarda ses| 26=JM Nenauoitrien ABFO 
freres ne ses filz F’ Ne lauroit rien C fehlt QS. 
23=BCJMOQS Fame nenfanz| 7=CFJMO Etpar ce fu li 
ne oir de lui isist A Ne ses parenz |mons si a. A Et por itant fu li 
ne ses germains cousins F’ mons a. B Li oir (Si home) en 
24 BMO Trestout laissoit pour | furent dolent et apourit Q9S 
amour Ihesucrist A Par les pooirs C 


Fast die gleichen Zeilen finden sich 7173a 40; NMa 45fl.: 
40 Que je (bien) cuidai tout a estrous morir 
Ne regardai mon frere ne mon fil 
Ne mon parent ne mon germain cousin 
43 As moines noirs que S. Beneois fist 
Donnai (Laissai) ma terre et rentes (rente et terres) et moulins 
Que nenot terre li grans ne li petis 
bl Neli cousins la fälle ne li fis 
Et partant sui durement apouris. (Die Fortsetzung s. $. 44). 


EL’ 


Der Unterschied ist nur der, dass wir sie hier in directer 
Rede aus Karls eigenem Munde hören, während im Chanson 
de Garin der Dichter orientierend über die vorangegangenen 
Ereignisse, welche Karls Unglück herbeigeführt haben, referiert. 
Im ersten Falle ist das Goncil zu Lion berufen, um Mittel zur 
Abwehr der Wandres zu beschaffen, im zweiten Falle aber, 
um Hilfe gegen Girart von Rossillon zu erlangen. 


‚ Die nächsten Zeilen in E 89b: 


1 Et li clergie furent si enrichi 
Quelle en dut estre torneie a desclin 
Se damedex concel nen i meist 


Varianten: 1—=BCJ MO Que|dut estre a essil A vgl. später: Les 
li clergiez si en fü e. F clergiez| abeyes tornerent a declin Q8 
en fusie 4 Eliclere (Li clere| 3==M ni eust ce. mis B c.»i 
sunt) riche et li moine autresi Q$ |eust mis ACFJO In QS durch 
2 Gaule OF@MO Tornee en dut | 14 abweichende Zeilen ersetzt. 
estre France ad. B K. Martiax en 


fehlen in NT, die dann in E 89b folgenden: 


4 K. Martiaus fu forment apouris 
A lapostoile en auoit .I. ior prins 
Droit a Lions qui sor le Rosne cist 
7 Vint lapostoile contre Charlon son fil 
La veissies de clers bien .IIIl. mil 
Tant en i a ia consaus nen iert prins 
10 Et lautre peule qui assambla enqui 
De cheualiers i ot plus de .XX. mil 
Mais il nauoient palefroi ne roncin 
13 Ne armeure foırs les bran acerins 
Des anciens hommes i auoit moult petit 
Et les pardles commencent a uenir 
16 Sire apostoiles, K. Martiaus a dit 
Por cel signor qui en la crois fu mis 
Aies pitie et de moi et de ti 
19 En tel maniere que ne soiens honni etc. 
Varianten: A—= BCJMO fehlt| 6—=ABCFOQS fehlt M 
A entrepris F Charles Marteau| 7=ABCOFMO fehlt OS 
en fu moult effreis (forment pensis) | 8 plus de IL mil ABCFMO 
Il a mande lapostoile Thierri | Quil |La sont ensamble li grant et li 


(Que) le secore por dieu e por |petit (La s. Francois et remes et 
merci O8 garni) Et un etautre qui dıu doiuent 

5 BUMO A lapostoille .L. par- |seruir (orent serui) 98 ns 
lement en prist A E lapostoiles en | 9 ot ABO jacontesnen B ia 
a parlement pris QS fehlt F c. n. iert porpris C. Tant i ot 


4 


moines F' nen sai faire deuiss um-| 13=FM Ne arme nule ABO 
gestellt mit 10 O fehlt 98 fors le brant acerin A 

10 Edautre (vgl.9)0 iqui CFMO,| 14—=M Des h. uiex ABCFO 
fehlt AB Charl. Mart. i ot de ses|Des viellars h. i ot il molt petit 
amis die folgenden Zeilen fehlen| ABCFO 
oder weichen gänzlich ab Q 8 .15=ABCFMO 
 1=BFMO Et dautre pat| 16=ABCFMO 

bien cheualiers .xx. mil A .VIL| I7=CFMO Poricelde A Por 
mil C amor deu ki onques ne menti B 

12—=ABCM Mesnena. O Mes| 18=FM Aies merci ABCO 
nauoient ne destriers ne roncins |et de vous et de mi C et de toi 
Ne palefroiz ne muls arrabiz Escu |et de mi O | 
ne heaume ne bon hauberc tresliz ?!i 19=ABCFMO 


finden sich in 7 173a 10; N 4l1d 10ff., also an frühererStelle *), 
wieder: 
10 Kl. Mart. fu forment (A eh meruelle fü Kl.) apouris **). 
A lapostolle en auoit .I. jour pris 
Droit a Lions qui sous (sor) le Rosne sist 
13 Vint lapostole contre Karlon son fil 
La ueissies de clers bien .III. mil 
‚Et moult grant peule qui asambla ichi 
16 Tant en i a (vint) ia consaus nen ert (nen iert consax) pris 
De cheualiers i ot bien (plus de) .xx. mil 
Mais il nauoient pallefroi ne ronchi 
19 Ne armeure (arme nulle) fors les brans acerins 
Des anchiens houmes i auoit moult petit 
Et les paroles commencent a uenir 
22 Quant a Lions sont asamble ensi 
‚Sire apostolles‘, Kl. Mart. a dit 
Por le signour qui en la crois fu mis 
25 Aies pite et de moi et de ti 
Et tel maniere que ne soions honni. 


*) Voraufgehen in NT folgende Zeilen: Ieil Ger. baron dont ie 
vous di | Fu si de guerre doctrinez et apris | Quen grant pouerte Kl- 
(roi Kl.) Mart. mist | De toute hounour ne li laissa tenir | Fors que Paris 
et Orliens ce mest vis. 

**) In N folgen hier noch: Et non porquant Kl. en chaca il | XVlanz 
itant le fist languir | Et pus rout il sa terre ce mest uis | Si rafrema la 
guerre et li estris | Dont il morurent maint cheualier gentil. Man vgl. 
hierzu QS 2. 7 fi.: Li dus Gerars ot gaste le pais | Por roi(dant) Martel 
dont vos aues oit | Plus de XV ans se guerroierent si | Que maint preu- 
dome en conuint a morir. Auch hier scheint also wie an anderen Stellen 
N einer zweiten, QS nahestehenden Vorlage gefolgt zu sein; vgl. 5.13. 


N 


42 


Es folgen nun einige Zeilen, die mehr von einander ab- 
weichen, in denen Karl über seine Feinde spricht, die nach E 
die Wandres, nach NT Girart von Rossillon sind. Auch sie 
zeigen aber, wie sehr der Überarbeiter bestrebt ist, dem Text 
seiner Vorlage möglichst treu zu bleiben. E89b fährt fort: 


20 Ne sai quel gent sont vers moi enuai 
Ars ont ma terre et destruit mon pais 
Par deuant moi font mes chastiaus croisir 

23 Que ie-nel puis endurer ne souffrir 
Et ains mostiers font les cheuaus gesir 
Ou diex de gloire deust estre seruis 

26 Et les prouoires escorchent il tos vis 
S ont archeuesques et euesques ocis 
De cheualiers autresi tel .xx. mil 

29 Nauoient armes palefrois ne roncins. 

Varianten: 20 sont ca uenu sor| 25=BCFMO Ou dame dex A 
mi ABCO si sunt venu sor mi F| 26= ABCMO  trestoz vis F 
sunt sor moi enuai M 27—=BCFMO fehtl A 

21 Arse ABCFMO 28 Des MO aiichifie ci A) tels 

2—M Etd. ABCF ontmes,ABC ailei tex F Encor a ci che- 
chastiax croississ AB sunt mi |ualiers ‚xxx. mil 
chastel croissi F’ Tresdeuant moi viQO| 29— M Nont palefroi ne cheual 

23=M Que ie nes (ne les O)|ne roncin AC Nont palefrois ne 

oi tenser ne garantir ABCO !chevaus (destriers F}}) ne BFO Qui 
u ie ne puis amender ce mest |nont cheual palefroi ne roncı folgen 


vis F Ne armeure por lor cors garantir 
24 Ens es m. ABCMO Car es| Por aus deffendre por autrui asalır & 
m. F font lor ch. BF | 


Dafür bieten T 173a 97; N Md 39 ff: 


27 Durement sui en ma terre amatis (apouris) 
Pour .I. seul homme qui destruit mon pais 
Mais il est si (sire il est) de guerre tant (si) apris 
30 Par deuant moi fäit mes chastiaus croisir 
“Et es moustiers fait ses cheuaus gesir 
 V diex de gloire deust estre seruis 
33 Dont est chis hons lapostoles a dit 
Qui en tel guerre a si uo terre mis 
(Qui si destruit vo terre et vo pais) 
De Rouselon sire si com ma (Kl.a) dit 
«36 Sa non Gerart cheualier est hardis | 
Dius (Dieux) est de guerre cheuulier est de pris (diable lont si apris) 
Veschi mes houmes qni moult sont apouri 
39 la fu .lL. jours maladie me prist. 


2 


43 


Hierauf folgen in NT die S. 39 abgedruckten Zeilen. 
in E 89b obiger Stelle folgenden Zeilen: 


30 
cl 


Den 


Prenes conseil bon et leaul et fin 
Par coi se puissent saueir et garantir 


Ou se se non je vos rans le pais 
Si men ira com uns autres chetis 
4 Cil sunt dolant cont la parolle oi 


Ni a celui qui ne fuit esbahis 


Ou ne plorast des biaux iex de son uis 
7 Li apostoiles sen est en pies leueis 

Tenrement plore sa sa gent apellei 

Signor clergie quel conseil me donnes 


10 


II est bien drois que del vostre i metes 


Et faites tant que il soient arme 
‚Des biaux cheuaus corans et alarmeis 


13 


Vos estes riche bien soffrir le poes 


Li archeuesques de Rains cen est leues 
Sire apostoiles quest ce que dit aues 


16 


Se ne deuries por mil mars dor penseir 


Qui meissiens .II. deniers menoeis \ 


, Car a toujors seroit acostemes 
19 


Varianten: 30 — ABCFMO 
Bien le sachies se consaus nen est 
pris Crestientes en ira a declin 
die folgende Tir. und die 15 ersten 
Zeilen der nächsten fehlen Q 

cl—=(CM Felt A Par quil se 


puissent saluer et garantir FO 
folgt: De cele gent qui nos ont 
‚ enuaiz 0 


2a == ABCFMO folgt: Car je 
nel puis tenser ne garantir M 

3 Si men fuiri ABCFO Ains 
men irai M 


4— ABFMO Dolent sont tuit| 


quant ice ont 01 C 
5—BCOFM NiotO nen 
6—ACMO Et nen BF 
7—ACFMO Adont sen est 

lapostoles leues B 


solt A 


8— (MO ses clers a apellez A 
sa ses genz apellez BF 
9—M Segnor dist il BC donrez 


AFO 
10—=ABCFMO 


Tuit se descordent dou consel sont tornei 


1l Car faisons tant AB ke 
cascuns soit armes B Et faisons 
tant CFMO 

12 De (SorC) b. CF M De bons 
destriers O Et cheuax aient A coranz 
et abriuez ACFMO De beles armes 
de cheuaus abrieuez B 

13 —ABCFMO 

14—= BCM O  Larceuegues de 
Rainz A sen est,en piez leuez AF 
folgt: En haut parla com ia oir 
porrrez A Quant il parole si fu 
bien escotez O 
15=—=ABCFMO 
16 Ce com ne doit M n ne 
seroit A Ne convenroit BCF OÖ 
pesez ABCFO 

17—ABCO Que meissies M 
JIId F 

18 —F Qa 4 toz iorsmais AB 
seront AM O 

19—=AB TIse F_ Tuit sen M 
Tuit se drecerent C d. sen uoloient 
torner O 


44 


Quant lapostoiles les a tos apeles | | i 

K. martiaus biaus filz auant venes Er i 

22 Se mait dex ie ni puis riens trouer ; 
| Qe il i metent .I. denier menoie 
Que ne serai donques.por deu de maiste 

25 Dons.est perdue sainte crestientes. | ; 


20=CFMO Et lapostoilles en; 23=CFM Ni uoellent metre AO 
fu forment irez A Li apostoiles a |.II. deniers monaez AB 


le roi apele B 24=—M OQen sera dont ABCF_ 
2i=(CFMO biax sire A dist|Si maist dex ce dit K. li ber O 
lau DB 2>— M Dont ACMO Donc F 


2=AFMO je nenC p.fint.B |iert perdue AC est destruiteO Siert 
dont perdue B ‚ 
entsprechend lesen 7 173b 5; N 4e 5*): | 
5 Prendes conseil bon et loial et fin | 
Que il (comment) se puissent sauuer (tenser) et garantır 
V se ce non je uos rent uo pais 
8 Si men fuirai conme .I. antres chetis 
Chil sont dolant con le parole oi 
Ni a chelui qui nen fust esbahbis 
11 V ne plorast des biaux jex do son uis | 
Li apostoles en est em pies leues | n 
Tenrement pleure sa sa gent apelle (sa gent a apele) | 2 
14 Signour clergie (dist il) quel conseil me donres | | 
(folgt: Qui lor granz rentes et lor terres tenez) 
Tl est bien drois que du uostre i metez 
Et faites tant que il. soient arme 
17 De biaux (bons) cheuaus courans et abriues 
Vos estes rices bien sofrir le poes 
Li archeuesques sen est tantost (de Rainz en est) leues 
20 Sire apostoles dist il trop mal parles 
Ce ne (Ne le) feries (feriens) pour mil mars dor pese 
Qui mesisiens .Il. d. monnaes (vaillant .Il. aus pelez) 
23 Car a tous Jours seroit acoustume ' 
Tout se descordent dou tonseil sont tourne j 
Quant lapostolles les (r)a tout (r)Japelles 
26 KI. biaus fis dist (Vos filz dist il) auant uenes 
Si mait diex je ni puis riens trouuer 
Que il i metent .I. d. monnae 
29 Quen sera done pour dieu de maieste 
Dont iert perdue sainte GTERNEnIER: 


*) Diese Stelle wird von der S. 89 mitgetheilten nur durch folgende 
Zeilen getrennt: Nont armeure dont se puissent garir (folgt: Mi homme Ä 
‘sont deschaus et mal uesti N) | Ne sainte eglise deffendre ce mest us. 


m FR a a Ger 


45 
In der nun folgenden Tirade tritt in E Hervis auf. Die Über- 
einstimmung mit TN wird dadurch selbstredend unterbrochen, 
da nach ihrer Darstellung Hervis dem Coneil zu Lion gar nicht 
beiwohnt. Der Überarbeiter hilft sich hier auf einfache Weise, 
indem er die nächsten 15 Verse kurzerhand auslässt*). 


Die Übereinstimmung setzt sich dann aber wieder fort: 


E89d 11: 
11 Adons parla li abes de Clini 
Droit en aues archeuesques Hanris 
Que les bien fais voles oster de ci 
14 Nos sommes riche la dameden merci 
De bonnes terres que lor ancestres tint 
Moult est or miels si con mol est auis 
17 Chascuns mete dou sien .I. sol petit 
Que nos perdons se dont sommes saisi 
Et larcheuesques par ire respondi 
: 20 Miels se laroit traineir aroncins 
Que ia i mete vaillant .I. angeuin 


Varianten: 11 Apres Q Clugni 


soit salues et'garis Q 
ABFMOQ Cligni C 1 


CM Que Ders F 

12 —M Tort en a. ABCFO | Que Seren: ce dont nozs.s. AB 
Sire arceuesques uos naues pas bien | Senosperdons ce quauomes conquis 
dit © Q folgt: Dont puet on dire que 


13 —=BCFM Quile bien fait A 
Qui bien a faire uolez destorner 

ci O, fehlt © 

14 =ABCFMONQ 

15 = CO Des b. AF bonne 
terre M Des riches terres B 

fehlt 


nos somes chaitif @ fehlt O 
19 =ACFMO Lia.B Dis 
larceuesques par le cors s. Denis & 
0=F Ainz AC Miex me 
laroie trainer a ronci B graillier 
etrostir A trainer et (ou O) rostir 
CMO fehlt Q 


16 4 ABCMO si com il m’est 
auis F', fehlt Q 

17 C. i mete ABCFMOQ du 
sien aucun p. ABCO cequilporra 
soufrir Q, folgt: Tant que li regnes 


een in 


| *) Dieselben lauten E89d26ff.: Adont parla li Loherens Heruix 27 Sire 
. apostoiles que est ce quaueis dit 28Siai .XX.mil de cheualiers gentis 29 
Dont li clerc ont les fors et les molins 30 Si est bien drois autres consaus 
soit prins (dl) Ou sese non bien puet a pis venir 2 Dist larceuesques 
ie uos ai bien oi 3Nos sommes clerc si deuons deu seruir 4 Proierons deu 
por trestos uos amins 5 Quil les deffande de honte et de peril 6 Che- 
ualiers estes notres sire vos ft 7 Toutes droitures commanda a tenir 
8 Et sainte eglise sauuer et retenir 9 Quel seleroie foi que doi saint 
Martin 10 Je ni metroie vaillant un angeuin. 


21 =(C0O Qu jo iBM v..l. 
angeuins F' .I. paresi B du sien 
grant ne petit A Ja ni metrai 
vaillant .I. parisis 0 folgt: Et 
lapostoiles durement se ER (ses 


3%# 


16 


Par maul taillant a lapoustoiles dit 


23 Par le sepulere il nira mi ensi - 
Venes auant K. martiaus biax fis 

: Je uos otroi et le uair ct le gris 

26 Lor et largent dont clergie est saisis 
Les palefrois les murs et les roncins 
Et les destriers corans et arabis 

29 Tos les prenes jel vos otroi et quit 
Dont vos puissies les sodoiers tenir 


fo 90a 1 


Que vos desfendent et le uostre pais 


Et si vos pres les dimes sire fis 
Tresqua .VIL ans fait il et L demi 
4 Quant vos ares vaincu les Sarrasins 
Rendes les dimes ne les deues tenir 
K. martiaus a dit vostre merci 
7 Or est asses je lotroi bien ensi 
La veissies tant panre var et gris 


mari OÖ sen mari OF) ACFO 
Li apostoiles forment sen engrami B 
nach 7 weiteren Zeilen: 
postoilles molt forment sesmari @ 

22 P. m. a son clergie a d. 
ABMO fehlt CO 

23 Par cel s. M Par S. Sepucre. 
ABCFO folgt: En autre point 
couient lafere issir F’ mie ensı M 

24 = ABCOFM K.M.fetil O 
Charlon apele ca uenes sire fis © 
folgen: De par Jesu qui onges ne 
menti | Et de seint Pere en qui 
leu ge suis mis | Ai ge la force de 
faire mon plaisir | Et de par deu 
preing hui ce fais sor mi 

25 =ABCFMO Jo te com- 
mant et de bouche le di © 

26 —= M dunt li clerc sont saisi 
ABCOFO statt 26—28 bietet ©: 
Sor les autex va loffrande coillir 
Prenes les dimes et les bles autresi 
Et sor les perces et le uair et le gris 
Et ens es creutes autex et erucefix 

27 = ABCFMO 

28 —=M fehlen ABCFO 

29 —=M Sil.p. A Senprendes 
tant BC Si prenez tot F' Si aiez 
tot O Et vendes tot je uos com- 
mant amis Q folgt: Ne lor lessiez 
fors tant ge uos en pri O 

80 = CF Tant que puissiez A 


Et la- 


1 dus Heruiss ABCO 


Dont nos puissions M p. vos s. B 
Et dones tot as cheualiers gentis Q 
Dont il se puissent et wure et 
sostenir O0 | 

1 = M Qui defendront AB uozet 
u.p. ACF et vosetvop.B Bienen 
porroiz uoz soldier tenirO fehlt - 
E vos ötroi B Et 


2 — FMO 
sil uoz plest CO fehlt AQ 
3=—= (CM Jusqua VII ans 


ABFG Dusqu Vla0O le 
uoz doing et otri A biaus fils tos 
acomplis @ fehlt © 

4 =ABCFGMO Quant uos 


 aures aquite le pais Et les tirans 


detrenchies et ocis ® 
5 — ABCGM nes poez pas 
tenir F'Rendes arier ce que uos 
aues pris © | 
6—=G hdistCFO dis ı M 
respont B Lirois respontsireu.m. A 


‚Et dist Mart. le uostre grant merci Q 


7=M Co est assez B ce dist 
sire ce dist 
Heruis @ li dux Heruins a dit F- 
Jel ferai bien se diu plaist et ie 
uf @ folgen: Adont sescrie com 
cheualiers de pris A Or aseglises 
as cheuaus (hernois B) as roncin 
ABCFGMO i 
8 Ja prenez ttG lavp FF 
Donev. ap. O0 tsp. Betp C 


47 


Or et argent et ces coupes dor fin 
10 Et armeures dont li elerc sont: saisi 

La ueissies chevaliers reuestir 

En pou de terme si com la chansons dit 
13 En ueissies plus de .LX. mil, 


et u. et gg CFGMO le war 11l=BFMO Lors @ Tex fu 
prendre et le gris A fehlt Q montes qui en piet en reuint © 
9 —MLoretlargentetlesBFGOQ | fehlt AU 
vait maintenant saısir Q fehlen AU 12 =ABCOMO com (si com) 
11 =BFMO Les a @ wum- | lestoire dt F@ fehlt © 
gestellt mit 9 M_ Muls et somiers 13 = AB@G XLCOFMO De che- 
palefrois et roncis | Or as cras | ualiers veissies XXX mil O Bien 
prestres ce dist li dus Heruins @ | conrees la dame diu merci Q 
fehlt AC 


T 173b 31; N 4e 32 (= Tir. 89): 


31 Apres parla li abbes de Cluigni 
Droit (Tort) en aues archeuesques dist il gentilz 
Que les bienfais uoles oster de chi = 
34 Nous soumes riche le dameldieu merchi 
Des bonnes terres que nos (lor) ancestres tint | 
Moult uenroit (vauroit) miex certes ce (si comme il) mest auis 
37 Chascuns de nous i mesist .I. petit 
| Que nous perdons cou de coi sons (dont somes) saisi 
Et larcheuesques per ire respondi 
40 Quil ni metroit uaillant .I. paresis 
Dist lapostolles il ni(r)a mie ensi 
Venes auant Kl. mart. biaus fis 
43 Je vous otroi et le uair et le gris 
Et les cheuaus palefrois et ronchis 
Lor et largent dout clergies est (li clerc sont) saisi 
c‚s 1 Et les destriers courans et arabis 
(Et les cheuaus et les destriers de pris) 
Tous les prendes je vos otroi et quit 
Dont uous puissies les soudoyers tenir 
4 Qui uous deffendent vous et uostre pais 
Et si uous doins (prest) les dimes biaus dous fis (sires filz) 
Dusqua .VI. ans dist il et .I. demi | : 
7 Quant uous ares uaincus uos anemis 
Rendes les dimes ne les deues tenir 
(Dont les rendes plus nes deuez tenir) 
Sire dist il (Kl.) de die .Ve. mercis 


48 


10. Il est asses ensi le uoel tenir (et jou ainsi lotri) 
La (Dont) ueissies tan prendre uair et gris 
(folgt: Et murs et mules palefrois et roncins) 
Or et argent et coupes et or (copes hennas dor) fin 
13 Tante armeure dont clergie (li clerc) sont saisi 
Ches cheualiers ueissies reuestir 
En peu de terme si com la chancons dist 
16 En ueissies plus de .LX. mil. 


Die Übereinstimmung hört hiermit auf, da das noch folgende 
sich auf die Kriege mit den Wandres bezieht und deshalb mit 
den durch den Zusatz geschilderten Ereignissen, Girart von 
Rossillon betreffend , nicht mehr in Einklang zu bringen war. 


Es erübrigt noch, einen kurzen Blick auf das Verhältnis 
der Chanson de Garin nach NT zur Chanson de Hervis und 
der allgemeinen Überlieferung zu werfen. Natürlich mussten 

bei ihrer Abfassung die der Chanson de Garin entnommenen 
_ und bereits früher geschilderten Züge in Wegfall kommen. 
Dahin gehört in erster Linie das Concil zu Lyon (Paris, nfz. Bbtg. 
Chap. I). Wir sehen daher in NTzu Anfang der Chans. Garin 
Hervis in Paris, in Begriff stehend sich von Karl Martel zu ver- 
abschieden, als die Kunde von dem Einfall der Wandres und der 
Bedrängnis der Ortschaften Rains, Soisons und Sens eintrifft. 
Die Belagerung von Paris, sowie Karls Zug von Lion aus zur Be- 
freiung seiner Hauptstadt bleiben naturgemäss auch unerwähnt 
(Paris, nfz. Bbtg. Chap. I). Von Paris begiebt sich Karl, 
nachdem er auf Hervis’ Rat das Heer in zwei Theile geteilt hat, 
mit der einen Hälfte nach Soisons und befreit die Stadt, 
während Hervis mit der andern nach Sens eilt. Ebenso wird 
noch der. Reihe nach die Belagerung der Städte Rains und 
Troyes aufgehoben. Wie gewöhnlich bei Überarbeitungen, 
_ werden auch hier: diese Ereignisse mit grösserer Breite und 
Umständlichkeit wiedergegeben. Beispielsweise wird von einem 
zweimaligen Kampfe vor Soisons gesprochen (cf. NT, Tir.5, 6, 7 


49 


und 11, 12, 13), desgl. vor Rains (ef. Tir. 8, 9 und Tir. 13, 14). 
Ferner wird der endliche Sieg Karls über die Sarazenen bereits 
im voraus durch eine Traumerscheinung*) verkündigt. Während 
der Kämpfe um Troyes tritt nämlich in einer Nacht ein Engel 
an des Königs Lager und fordert ihn auf, nicht zu verzagen, 
sondern im Vertrauen auf. seine gute Sache, den Kampf von 
neuem aufzunehmen. Noch in demselben Jahre, weissagt er, 
soll Karl sein gesamtes Erbe wiedererlangen , dabei aber wird 
ihm zugleich kundgethan, dass es ihm alsdann nicht vergönnt 
sein werde, weiter zu leben, indem das letzte seiner Lebens- 
jahre herangekommen sei. Deshalb soll er auch nicht ver- 
säumen, die Zehnten zurückzugeben, die ihm früher _ zeit- 
weise abgetreten waren. Zum Schluss prophezeiht ihm der 
Engel die baldige Geburt eines Thronerben, der, wenn er 
vollständig ausgewachsen sei, zwar nicht mehr als 3 Fuss 
messen, trotzdem aber sein grosses Erbe mit mächtiger Hand 
zu beherrschen wissen werde. 

Die Verwundung des Königs, sein Tod, sowie die Krönung 
Pipins stimmen im wesentlichen mit der ursprünglichen Über- 
lieferung überein, wohingegen selbstverständlich Hervis’ Ver- 
mählung auf der Rückreise von Paris, einschliesslich der 
Nachrichten über seine Nachkommenschaft, ausfallen. Statt 
dessen wird nur erzählt, dass Hervis in Verdun vom Bischof 
Lanselins und in Gorse (Gore N) von dem Abte aufs freund- 
schaftlichste empfangen sei und von letzterm Orte aus Thieri 


*, Ein beliebter technischer Kunstgriff der altfr. Epiker, der keines- 
wegs für hohes Alter der betreffenden Gedichte sprechen kann, wie 
Koschwitz, Rom.Stud. I,42 und mit ihm@G.Paris meint, soimRol., in 
Karls Reise, im Turpin, im Fierabr. fr. 6137 Gaydon S. 321 ff. etc. und.auch 
sonst ist er zur Geltendmachung clerikaler Wünsche angewandt. Doch recht- 
fertigt dies noch nicht, die Annahme DuMerils Mort Garin LXXI: 
‚L’auteur (sc. de N) est evidemment un ecelesiastique qui saisit toutes 
les occasions de montrer sa robe et de faire de la propagande‘. Dagegen 
spricht namentlich die despectirliche Behandlung, welche der Verfasser 
im ersten Theil seines Zusatzes, den hohen Würdenträgern der Kirche 
seitens des Hervis widerfahren lässt (vgl. S. 32). 


50 


nach Mas gesandt habe, um den Seinigen seine bevorstehende 
Rückkehr zu melden. Die Erzählung wendet sich dann, nach 
Schilderung seines Einzuges, sofort zu der Belagerung von Mes 
durch die Sarazenen, ein Übergang, den 7 182c auch 
durch eine besondere Überschrift hervorhebt. Dieselbe lautet: 
‚Ensi qui li .IIIL. roy reuinrent aseir Mes et comment Hervis 
 issi contre yaus a bataille‘. . 
Der Zeitraum zwischen Hervis’ Rückkehr und dem Angriff 
der Heiden wird auf 9 Monate angegeben T 182c N 47b: 


Bon tans i a et de pain et de uin 
1X mois tous plains demoura bien ensi 
Que nule guerre noient (ne riens) ne li nuisi, 


womit die nun folgende Nachricht in seltsamem Widerspruch 
‘steht, dass Pipin, als Hervis ihn in Montloon, wo sich der 
Hof gerade aufhält, um Hülfe angeht, seine Ratgeber um sich 
versammelt, um mit ihnen Hervis’ Anliegen zu erwägen. Er 
müsste dies dann, wie sich aus dem Vorhergehenden ergiebt, 
im Alter von etwa einem Jahre gethan haben. Richtiger giebt 
die ursprüngliche Überlieferung das Alter Pipins, als Hervis 
ihn um Hülfe bittet, auf 12!/s Jahr an, was für den zwischen 
dem ersten und zweiten Einfall der Wandres liegenden Zeit- 
raum die Summe von nahezu 13 Jahren ergiebt. 

Der nun folgende Teil, die abschlägige Antwort Pipins, 
die darauf erfolgende Reise des Herzogs zum Könige Anseis 
von Cologne und dessen Beistand lehnt sich im wesentlichen 
an die ursprüngliche Überlieferung an. Dann aber weichen die 
Berichte von NT sowohl untereinander (vgl. p. 13), als auch 
von der ursprünglichen Überlieferung bedeutend ab, indem 
Hervis in den Kämpfen von Mes nicht seinen Tod findet, sondern 
nur schwer verwundet wird und nach seiner Genesung noch 
einen Zug gegen die Sarazenen in das heilige Land unternimmt. 

Eine eingehende Darlegung desselben, sowie der Stellung 
von N und T unter einander und zu der übrigen Überlieferung 
gehört nicht in den Bereich der vorliegenden Arbeit und behalte 
ch mir dieselbe für eine spätere Untersuchung vor. 


5l 


Das Resultat vorstehender Darlegung lässt sich dahin 
zusammenfassen, dass der Zusatz, welchen die Hss. NT zur 
Chanson de Hervis, wie sie die Hs. E und Philippe de Vigneules 
bieten und die Aenderungen derselben Hss. im Eingang des " 
Garin, lediglich bezwecken diese ursprünglich getrennten oder 
wenigstens nur rein äusserlich in Beziehung gebrachten 
Gedichte innerlich zu verknüpfen und ihre zu augenfälligen 
Widersprücke zu verwischen. Wie wenig das dem Verfasser 
der Redaction NT gelungen, in wie viele neue Widersprüche 
er sich verwickelt, wie armselich seine Erfindungsgabe war, 
ist dabei nur zu deutlich zu Tage getreten. 

Dass wir es wirklich mit einem Zusatz zu thun haben, 
geht auch noch daraus hervor, dass die 21 Plus-Tiraden 
von TN mit 1451 resp. 1499 Zeilen den Wechsel von männ- 
licher & und männlicher © Assonanz, auf welche Künstelei der 
Verfasser des Hervis grossen Werth gelegt hat (vgl. Hub |. e. 
S. 9. Anm. 3. und Stengel in Zeitschr. IV, 101), an 2 Stellen 
durch je eine männliche a-Assonanz (von 16 und 18 Zeilen), an 
einer dritten durch eine männliche nasale o-Assonanz (von 
65 Zeilen) und an einer vierten durch 2 männl. nasale o Ass. 
(von 30 u. 36 resp. 37 Zeilen) und eine männliche öe Assonanz 
(von 22 Zeilen), im ganzen also durch 187 resp. 188 Zeilen 
durchbrechen, während ihn der eigentliche Hervis, d. h. die 
ersten 82 Tir. der Hs. E mit 10530 Zeilen nur an 5 Stellen 
(und zwar sämmtlich nach T. 45) durch 9 andere Assonanzen 
(2 männl. und 2 weibl. a, 2 weibl. &, 1 männl. 1 weibl. u 
und 1 männl. :e) mit im ganzen 73 Zeilen unterbricht. 

Eine auch nur theilweise Beeinflussuug des Verfassers der 
Redaction TN seitens der lebendigen Tradition anzunehmen, 
sind wir durch nichts berechtigt und das lässt denn auch die 
Ansicht Du Meril’s (l. c. LXXVD): ‚La comparaison des deux 
_textes (d.h. die Red. N und die, welche unter Jehan de Flagis 
Namen geht) fournit un moyen de remonter aux traditions 
_ primitives et de les debarasser des additions qui les ont cor- 

_ rompues‘ keineswegs als begründet erscheinen. . 


Lebenslauf. 


Am 22. März 1856 als Sohn des Obergerichtsrath Rhode in Corbach 
geboren, empfing ich meinen ersten Unterricht in der höhern Bürger- 
schule zu Arolsen, wohin mein Vater bald nach meiner Geburt verzogen 
war. Nach Absolvirung dieser Anstalt ging ich Ostern 1872 zur Real- 
schule I. Ordnung in Lippstadt über, die ich nach 1'/ jährigem Besuch 
ım Herbst 1873 mit der Realschule I, Ordnung in Cassel vertauschte, 
Hier bestand ich Michaelis 1874 die Maturitätsprüfung und studierte 
sodann, nach halbjährigem Aufenthalt im elterlichen Hause, von Ostern 
1875 bis Herbst 1877 2 Semester in Bonn und 3 Semester in Marburg 
neuere Sprachen, Geschichte und Geographie. Nach einjährigem Auf- 
enthalt in Paris kehrte ich im Herbst 1878 nach Marburg zurück, wo 
ich am 31. Januar 1879 vor dortiger Königl. Wissenschaftlicher Rrüfungs- 
Commission die Prüfuug pro facultate docendi ablegte. Durch Verfügung 
Königlichen Provinzial Schul-Collegiums zu Cassel wurde ich von 
Ostern 1879 ab der Wöhlerschule (Realschule I.Ordnung) in Frankfurta.M. 
zur Ableistung des Probejahres überwiesen. Bei dieser Gelegenheit kann 
ich es mir nicht versagen, die liebenswürdige Zuvorkommenheit, mit 
der ich durch den während meines Probejahrs leider zu früh verstorbenen 
Dirigenten der Wöhlerschule, Herrn Professor Friedrich Kreyssig, in 
mein Amt eingeführt wurde, dankbarst hervorzuheben. Nach beendigtem 
Probejahr übernahm ich Ostern 1880 die 5. Lehrerstelle an der höhern 
Bürgerschule meiner Heimathstadt Arolsen. Am 8. Juli desselben Jahres 
bestand ich das Examen rigorosum. : 

Während meiner Studienzeit hörte ich in Bonn die Vorlesungen der 
Herrn Prff. Dr. Bischoff, Delius, Kortum, J. B. Meyer, Schaarsehmidt, 
'Simrock; in Marburg der Herrn Prff. Dr. Bergmann, Lucae, Bein, 
Stengel, Varrentrapp, denen allen ich zu grossem Danke ver- 
pflichtet bin. 


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